Rongorongo ist entzifferbar - die Osterinselschrift aber nicht.
Die Kunst der Entzifferung
 führt zu entzifferter Kunst.
 
Teil 1
 
Historiker  gehen davon aus, dass sich vor etwa 400 Jahren die bis dahin bestehende Wechselwirkung von „Kunst und Kult“  langsam auflöste. Es gab neue  Fragen, die über Kunst oder durch die Kunst keine Antworten mehr fanden. Astronomie und Medizin waren wohl die ersten Wissenschaften, denn in diesen Bereichen hatte Kunst nichts beizutragen und führte nur weg von den eigentlichen Antworten, die gesucht wurden. Bildhaft kann man das aufzeigen:
 
Wir würden heute noch in Höhlen leben und unsere Lebenserwartung läge bei 25 bis 30 Jahren, wenn unsere Vorfahren nicht vor langer Zeit begonnen hätten mit dem, was wir heute unter Wissenschaft und Forschung verstehen.
Die Einheit von Kunst und Kult war das Wissen derer, die wir als Schamanen, Priester, Seher, Eingeweihte etc. kennen, deren Wissen traditionell nur über mündliche Überlieferungen weitergegeben wurde.
In den Völkerkunde-Museen werden Artefakte verwahrt, konserviert, wissenschaftlich bearbeitet und natürlich auch im Ausstellungsraum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die aus der Zeit stammen, in der Kunst von Kult noch nicht zu trennen war.
Das Auseinanderdriften vollzog sich nicht als harter Schnitt und ist auch nicht plötzlich vonstatten gegangen. Das verlief unbemerkt und lautlos, niemand wollte die Entwicklung aufhalten, das wäre auch zum Scheitern verurteilt.
 
Es gibt aber eine andere Trennung in dem Bereich Kunst/Kult, die auch zur Wissenschaft führte. Im Zeitalter der Entdecker und Eroberer, der Weltumsegler, der Forscher und aller anderen an dieser Entwicklung beteiligten Menschen, waren es christliche Missionare, die die neu entdeckten Inseln im Pazifik aufsuchten, um ihre Missionsarbeit zu beginnen. 

Damals kollidierten Kulturen mit unreparablen Schäden für diejenigen, die den Entdeckern und Eroberern nichts entgegen zu setzen hatten. Der holländische Admiral Roggeveen entdeckte 1772 die Osterinsel.  Das wissen viele. Als er weitersegelte, lagen 13  tote Männer am Strand auf der Osterinsel, erschossen von Roggeveens Soldaten, die seine Expedition begleiteten. Das wissen wenige. Aber das begann schon 1642 mit Abel Tasmann, der lange vor Kapitän James Cook die Welt bereiste, eine Entdeckung nach der anderen in sein Logbuch schreiben konnte und als erster Europäer Neuseeland entdeckte. Nur selten verliefen die neuen Kontakte der Eingeborenen mit den Entdeckern friedvoll und harmonisch. Allzu oft war genau das Gegenteil an der Tagesordnung. Das Ende dieser Entwicklung kennen wir alle.
Es waren unsere Ahnen, die einst blühende Kulturen mit außergewöhnlichem Kunstschaffen zerstörten. Es war die Wahnvorstellung unserer Ahnen, ihre Werte und Glaubensvorstellungen zu etablieren, ihren „way of life“ als einzig gültige Regel zuzulassen. Darüber gibt es schier endlose Publikationen, auf die hier nicht näher eingegangen wird. Aber es ist wichtig, das alles zu wissen, um von einer soliden Basis aus  Rongorongo-Forschung besser zu verstehen.
Der erste Kontakt mit Europäern war so einschneidend und prägend für die Zukunft, dass man in der Wissenschaft der Ethnologie sehr bald erkannte, dass die Zäsur einen Namen haben muss. So unterscheidet man bis heute zutreffend für alle gesammelten Informationen aus der gesamten Südsee zwischen
 
vor – und nachmissionarischen
 
Angaben zur Kunst und Kultur,  zu Mythen und anderen Überlieferungen, zu Hinweisen und Fakten des Zusammenlebens, zu Informationen über Religion, Tabus, zu Einwanderungslegenden und auch zu bewussten Falschinformationen – zu allem, was über die Südsee gesagt, beschrieben und aufgeschrieben wurde.
Die historischen Daten der vor- und nachmissionarischen Epochen variieren von Insel zu Insel. Das ist logisch, denn Polynesien, Melanesien und Mikronesien wurden nicht in einem Jahr entdeckt.

Warum ist das so wichtig und worin besteht denn eigentlich ein Bezug zur Rongorongo-Forschung?
 
Können Fakten durch fakes ersetzt werden?
 
Bitte, warten Sie noch mit der Antwort, denn möglicherweise erzähle ich Ihnen nun, was Sie im Zusammenhang mit der vermeintlichen Osterinselschrift noch nicht wussten, das aber Ihr Urteil beeinflussen könnte.
Wir wissen bis heute nicht, wann und wo Rongorongo entstand. Gesicherte Erkenntnisse darüber liegen nicht vor. Alle seriösen Forscher sind diesbezüglich auf einer Linie. Alle unseriösen Forscher treiben das Alter von Rongorongo in die Höhe, wie Pferdehändler auf dem Markt die Preise für lahmende und hinkende Rösser.
Deshalb ist eine der Kernfragen für Rongorongo-Forschung seit 1864 bis heute noch offen. Es ist doch von entscheidender Bedeutung, zu wissen, wann das System der Zeichen als solches erfunden wurde. Es ist die einfache Frage nach dem Zeitpunkt und den zu dieser Zeit gültigen Standards in allen Bereichen des Lebens und der Kunst und Kulte in Ozeanien. 



 
Die Rongorongo-Forscher (in Vergangenheit und Gegenwart) sind sich nicht einig. Manche sehen die Zeit der Entstehung von Rongorongo  Anfang des 19. Jhrh. und zwar auf der Osterinsel. Andere bestreiten, dass Rongorongo in der Südsee entstanden ist und vermuten, dass die vermeintliche Osterinselschrift ein Exportgut ist von  . . .  rund um die Welt. Beweise sind beide Fraktionen nach wie vor schuldig, aber sie konnten längst ihren Kopf aus der Schlinge ziehen und behaupten es munter weiter. Weil Beweise fehlen, ist es doch auch denkbar, dass Rongorongo erst entstand als europäisches Wissen (z.B. für astronomische  und navigatorische) Kenntnisse bekannt war im Pazifik.
 
Hier prallten nun die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Europäer auf die mythologischen Vorstellungen der Polynesier. Es wäre doch denkbar und nicht illusorisch, dass die Eingeborenen sehr interessiert fragten nach den Methoden der Entdecker zu ihrer Art und Weise der Navigation, des Schiffbaus, der Takelage, der Taue, der Segel usw. Darüber liegen Berichte vor von Kapitänen und anderen Seefahrern oder Reisenden aus dieser Zeit.
Also bleibt zunächst unbeantwortet, ist Rongorongo vormissionarisch


Wir müssen unbedingt trennen zwischen dem notierten „Wissen“ und dem Zeitpunkt der Notationen. Das Wissen über die „ra-ririki“, die kleinen Sonnen, ist uralt und wurde bis in die Neuzeit tradiert. Treibhölzer von wahrscheinlich havarierten europäischen und amerikanischen Booten kamen aber erst sehr viel später als Treibgut in die Hände der Maori Rongorongo.
Die Behauptung, dass Fundort und Tatort für Rongorongo mit der Osterinsel identisch sind, erachte ich als unzutreffend und unbewiesen. Dass die Osterinsel der (zufällige oder sehr bewusst) ausgewählte Ort war, die Objekte zu „archivieren“ im Sinne von verstecken, ist nach der „Aktenlage“ wahrscheinlich Wir werden es möglicherweise eines Tages herausfinden. Dass aber das Wissen, also die Software, und die Tafeln und Stäbe, also die Hardware, zeitgleich entstanden, ist auszuschießen.
 
Ein sehr wichtiger Aspekt für die Rongorongo-Forschung steht nun auch  im Mittelpunkt dessen, was Dr. Steven Fischer hervorragend und ziemlich ausführlich erarbeitet hat auf den Seiten 267 bis 270 in seinem 1997 publizierten  Buch „Rongorongo The Easter Island Script“. Er beschreibt in Kapitel 22 „The Informant Problem“ sachkundig und objektiv das vergiftete Potpourri der Meinungen und Behauptungen, der offenkundigen Unwahrheiten und eingebildeten Kenntnisse, eigentlich aller Informanten und ihrer
Informationen,
die nach 1864 auf der Osterinsel gesammelt wurden. Davor waren es Beschreibungen und Vermutungen. Der Entdecker der Osterinsel Roggeveen gab an, dass die „steinernen Götzen“ aus Lehm gemacht wurden, in den man Steinchen drückte. Ein anderer Kapitän notiert in seinem Logbuch, dass die Eingeborenen „seidene Strümpfe“ trugen mit allerlei heidnischen Mustern. So sah er die Tattoos wohl durch sein einäugiges Fernrohr.
 
Fischers Text zur Problematik der Informanten und ihren Informationen ist mit der beste, den ich bisher gelesen habe, in dieser so außerordentlich problematischen Schwachstelle in der gesamten Ozeanistik. Ausdrücklich will ich darauf hinweisen, dass in Fischers Buch seine (fast 1.200) „Notes“ mindestens so informativ sind, wie der Text des Buches. Man sollte daher unbedingt die 9 Notes lesen (Seite 621), die Fischer zum Thema Informanten und Informationen zusammengetragen hat.
Ich habe niemals einen Hehl daraus gemacht, dass ich keine Kompetenz erkennen kann zur Erklärung und
 
                                      Bestimmung der Rongorongo-Zeichen
 
in allen Arbeiten über die vermeintliche Osterinselschrift von  dem amerikanischen Linguisten Steven Fischer. (Wenn aus diesem eindeutigen und eingeschränktem statement die Lüge wird, ich würde Fischer keine Rongorongo-Kompetenz zubilligen, habe ich das nicht zu vertreten).
 
Fischers Einlassungen beschränken sich natürlich ganz zu Recht auf die Informanten von der Osterinsel. Aber zweifelsfrei gilt jedes seiner Worte für Polynesien und darüber hinaus, denn diese enorme Problematik besteht „zirkumpazifisch“.
 
 Einige dieser statements von Fischer sind es wert, zitiert zu werden:
 
„. . . if we can first learn how to filter the contaminated and corrupted information.  .
 
„We must also consider the enormous impact of Western writing on Rapanui society as early as the 1860s . . .“
 
Die mit Abstand umfangreichste Sammlung von Informationen hat Kathrin Routledge über 2 Jahre auf der Osterinsel zusammengetragen. Sie kommentierte:

„. . . believed to rest on fact, its absolute accuracy cannot be guaranteed“.
 
Eigentlich hat Fischer zu diesem Thema abschließend auf die Mitte der Scheibe gezielt – und getroffen:
 
„Such healthy scepticism behoves every scholar to Easter Island, especially in light  of the   Rapanui’s penchant for telling every  visitor not what was known but rather, with typical Polynesian affability, what was thought the visitor wished to hear“.
 
Die Engländerin beschreibt einen typischen Vorfall, der für sich selbst spricht. Ihr wurde 1914 von einem Osterinsulaner ein „ancient carving“ (gemeint ist eine Rongorongo-Tafel, Anm. v. Verf.) zum Kauf angeboten, von der Routledge wusste, dass der kleine Gauner sie in seinem „back yard“ einige Wochen vorher gefertigt hatte. Angesprochen auf seinen geplanten Betrug, reagierte der Mann sehr gelassen und erklärte:
 
. . . that he would keep it for the visiting ships: „capitano-man-o-wari, all same damn fool“.
 
Beileibe kein Einzelfall im Pazifik zur Zeit der euro/amerikanischen Okkupation der Inseln. Der Betrugsklassiker sind die eingetauschten Süsskartoffeln, eimerweise an Bord gebracht, wo man feststellte, eimerweise Steine eingetauscht zu haben, gut versteckt unter einer „Deckschicht“ der so dringend gebrauchten Nahrungsmittel.
 
Jeder Forscher ist gehalten auch über den „Tellerrand“ zu blicken. Aber man muss deshalb doch nicht gleich jede Suppenschüssel auslöffeln, die man suchte, zufällig fand oder die man serviert bekommt.
Jeder seriöse Rongorongo-Forscher seit Anfang des 20. Jahrhunderts kannte die Problematik der Informanten und der Informationen. Das ganze Thema ist ein Paradebeispiel für „the elephant in the room
“.
 
Informanten und Informationen sind eine einzige Grauzone, die von allen seriösen Rongorongo- und Osterinsel-Forschern ja auch erkannt ist und dementsprechend behandelt wird. Und in diesem Umgang mit den Angaben von Osterinsulanern zur Kunst und Kultur, zu Kulten und Ritualen, zur vermeintlichen Osterinselschrift, zu allem, was polynesische Lebensart in alter Zeit prägte, kann man in der Literatur (kein Unterschied zwischen wissenschaftlicher und populärer!) sofort feststellen, wer seriös gearbeitet hat und wer glaubt, sich als Scharlatan verstecken zu können. Die abstrusen und ominösen fakes aller Art, sind sofort als  Fantasien zu erkennen, werden aber als angebliche Aussagen von schriftkundigen Maori Rongorongo als unangreifbare Beweise angeführt.
 
Seit Kathrin Routledge, also seit ca. 1914/15, ist bei allen seriösen Forschern der kritische Umgang mit solchen Informationen festzustellen.
Die zahlreichen Vertreter der Schleimspur des Mystizismus erfinden ihre eigene Wahrheit. Sie nehmen jedes jemals geäußerte Wort eines Osterinsulaners als „die unantastbaren heiligen, alten Worte, als die Prophezeiungen aus dem brennenden Dornbusch“, um damit anzuführen, was nur ihrer seltsamen Fantasie entspringt und als „gesicherte Beweise“ deklariert wird. Im Jahr 1877 lebten noch etwa 100 Menschen auf Rapanui. Die bis heute gesammelten Informationen lassen nur den Schluss zu, dass es 100.000 gewesen sein müssen, denn was wir heute alles über die geheimnisvolle Osterinsel glauben zu wissen, beweist, dass die Erde eine Scheibe ist,  Nostradamus ein Prophet und die Klimaerwärmung als Folge des Urknalls feststeht.
(Fast hätte ich es vergessen: Rongorongo haben die Aliens gebracht – das erfuhr ich 1972 auf der Osterinsel von einer alten Frau!)
 
So, das hätten wir nun geklärt!. Es ist an der Zeit, zu bilanzieren:
 
  1. Es gibt keine einzige wirklich historische Information über das Leben auf der Osterinsel vor 1864
  2. Es gab keinen einzigen Menschen auf der Osterinsel, der sachdienliche und sachkundige Angaben zu Rongorongo machen konnte
  3. Die Entstehung von Rongorongo ist unbekannt
  4. Das Alter von Rongorongo ist unbekannt
  5. Alle bisher geäußerten und geschriebenen Behauptungen zum Inhalt der Zeichen sind unbestätigt
  6. Rongorongo ist so stumm geblieben, wie vor 150 Jahren, denn alle bisher vorgelegten Versuche, Rongorongo als Schrift mit Texten zu beweisen, sind nicht nur fehlgeschlagen, sie sind lächerlich fehlgeschlagen.
 
Obwohl die beiden herausragenden Rongorongo-Forscher, Thomas Sylvester Barthel (ab 1958) und Steven Roger Fischer (ab 1990), ihre kritische und teils auch ablehnende Haltung den Informanten gegenüber für Rongorongo immer betonten, haben sich beide in unverständlicher und unzumutbarer Anmaßung das Recht herausgenommen, jeweils einem der Rongorongo-Lügner die Absolution zu erteilen und ihn somit zum „Kronzeugen“ ihrer eigenen Rongorongo-Fantasien erhoben. Der leicht zu durchschauende, und eigentlich ziemlich dumm vorgegangene Metoro gegenüber Bischof Jaussen  1873, wurde von Barthel als der wichtigste Zeuge für die Osterinselschrift benannt.
Genau das bestreitet Fischer, der den alten Mann Ure nun zu solchen posthumen Ehren verhilft und ihn als den wichtigsten Zeugen für die angebliche Osterinselschrift in den Zeugenstand ruft
.
Was ist eigentlich wirklich passiert? Warum wird über einige lustige tanzende Männchen seit mehr als 150 Jahren gefeilscht, wie einst im Tempel von Jerusalem über Nippes?
 
Wann wurde falsch abgebogen? Warum wird den chronischen Nein-Sagern nicht aufs Maul ge . . ., die ihre eigene Unfähigkeit im Umgang mit den Zeichen zur Norm für alle erklären?
 
In der Rongorongo-Forschung ist alles schief gelaufen – ALLES! Das muss eine Ursache haben, die man suchen kann, sonst bleibt es so, wie bisher. Ursachenforschung ist immer dann unerlässlich, wenn man verhindern möchte, dass sich Fehlentwicklungen fortsetzen.
 
Nur für einen kurzen Augenblick verlassen wir das Thema Rongorongo-Forschung, um mit neuen Erkenntnissen noch einmal auf diese Frage zurückzukommen, wann was und warum aus der Spur lief, um mit der Lawine ins Tal gerissen zu werden.
 
Georg Jellinek (1851 – 1911) war der Sohn des Rabbiners der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Er studierte in Wien Rechtswissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie. Jellinek war deutscher Staatsrechtler mit österreichischer Herkunft.
Rongorongo-Forschung hatte Jellinek nie betrieben, aber seine durchaus revolutionäre These ermöglichte scheinbar den Durchbruch in der Rongorongo-Forschung, der sich als totaler Zusammenbruch später offenbarte. Warum?
 
Jellinek wollte aus der Sicht des Rechtswissenschaftlers beweisen, dass aus den bisherigen Umständen die Norm entsteht, abgeleitet oder entwickelt wird. Er nannte diesen ungeheuerlichen Gedanken die
normative Kraft des Faktischen.
Das Faktische wird zur Norm und somit zur Realität.
Jellinek hatte die Mesalliance erschaffen zwischen „Lüge und Betrug“ und er hat sie gesellschaftsfähig gemacht, weil damit schlagartig alles das gelöst werden konnte, was bis dato unlösbar schien.
 
Die nKdF (Abk. für den Jellinek Irrtum) ist bis heute die unanfechtbare Kraft in der Politik, wenn z.B. gegen das Volk regiert wird. Die willkürlich und unrechtmäßig geschaffenen Umstände müssen nicht geändert werden und niemand verliert seine Macht, keiner muss beweisen, was nicht beweisbar ist – die bisherigen Umstände müssen nie mehr hinterfragt werden nach „gut“ oder „böse“, nach „richtig“ oder „falsch“. Wenn sich also das Böse und das Falsche etabliert haben und man darin die von Jellinek zitierten „bisherigen Umstände“ erkennt, müssen sie weder verändert noch abgeschafft, weder revidiert noch als solche deklariert werden. Sie sind zum Fakt  geworden.
(Kann man Fakten schaffen mit geistigen Waffen?)
 
Bis zu Jellinek hatte der Teufel in der Wissenschaft einen Namen, nämlich circulus vitiosus oder Teufelskreis. Den brauchte man nun nicht mehr, denn die normative Kraft des Faktischen ist mindestens so wirkungsvoll und viel weniger angreifbar, als der stinknormale Irrtum oder der offensichtliche „Zirkel“.
 
Nun bitte ich Sie, den nachfolgenden Satz zu lesen, der für die Rongorongo-Forschung das wohl größte Unglück einleitete, das bis in unsere Tage hinein wirkt.
 
Wenn nun einerseits das sehr hohe Alter der Osterinselschrift feststeht, so ist es doch andererseits ebenso sicher, dass sie sich bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts in lebendigem Gebrauch gehalten hat. Die zahlreichen darüber vorhandenen Berichte lassen einen Zweifel daran nicht zu.“
 
Diese unbewiesene Feststellung, die in allen Einzelheiten falsch war, bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und selbstverständlich noch immer falsch ist, wurde 1938 von Robert von Heine-Geldern (1885 – 1968) in seinem Aufsatz „Die Osterinselschrift“ aufgestellt, erschienen bei Anthropos im selben Jahr.
 
Mit welcher Legitimation konnte der österreichische Wissenschaftler das behaupten? Als er das schrieb, war Rongorongo bereits mindestens 40 Jahre „die Osterinselschrift“ und das war sie 40 Jahre ohne den geringsten Beweis. Sie war aber schon zu der Zeit die nur aus den bisherigen Umständen entstandene Behauptung. Nun kommt der Landsmann von Heine-Geldern ins Spiel, der als sein Zeitgenosse die Brücke baute von der Behauptung (und auch von der Lüge) zur normativen Kraft des Faktischen. Weil seit 40 Jahren Rongorongo in den Kasten mit der Aufschrift „Osterinselschrift“ abgelegt wurde, waren die Bedingungen erfüllt. Ohne den niemals zu erbringenden Beweis „Schrift“  konnte man sich mit elegantem Schwung aus der Zwangsjacke der Beweisführung befreien. Heine-Geldern hatte keine Skrupel, die „zahlreichen darüber vorhandenen Berichte“ als wahrheitsgetreue Zeugenaussagen zu deklarieren. Widerspruch? Niemals, denn der Wissenschaftler hatte nun endlich den gordischen Knoten aufgelöst und man konnte loslegen.
Es kann doch nicht wundern, dass 20 Jahre später Thomas Barthel noch viel mehr wissenschaftlich publizierte Osterinselschrift-Behauptungen zitieren konnte, als Heine-Geldern. Die normative Kraft des Faktischen war nun bereits eine sehr solide Atombombe in der Rongorongo-Forschung. Nach mehr als 100 Jahren unbewiesener Behauptungen stand Steven Fischer dann Ende des 20. Jahrhunderts solide und unangreifbar in der uneinnehmbaren Festung „Osterinselschrift“, in der Befürworter und Gegner seiner Theorien einträchtig zusammenhocken und sich gegenseitige Wertschätzung streitig machen.
Aber ihr Feind ist ein gemeinsamer, der Feind ist immer derjenige, der an den Mauern dieser Festung rüttelt und dabei feststellt, dass sie aussehen wie Stein auf Stein, aber nichts anderes sind als aus Sand und Lehm gebaut und dabei  so stabil, wie jedes Kartenhaus!
 
Ich kenne keinen einzigen der sehr zahlreichen Wissenschafts-Journalisten, der nicht davon ausgeht, dass Rongorongo die seit mindestens  . .  wenn nicht noch länger . . . bewiesene Osterinselschrift ist. Von der nKdf wollen die Herrschaften nichts wissen.
Der derzeitige Trend in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft macht es ohnehin unmöglich, eine andere Meinung (auch in Sachen Rongorongo) zu vertreten, denn über der normativen Kraft des Faktischen schwebt nun Luzifers Reich der
postfaktischen Zeit.
Ab jetzt wird alles noch einfacher und der Beweis, dass Rongorongo nicht nur die Osterinselschrift ist, sondern ganz aktuell die „Osterinselschriftschrift“ wird nicht lange auf sich warten lassen.
(Wer meckert da? Rongorongo XXL – sind Sie etwa ein Ewiggestriger?)
 
 
Schwarzmalerei hilft nicht – und Schönreden auch nicht.
 
Der Versuch, die Glühbirne Rongorongo mit dem Hammer Wissenschaft in die Fassung zu schlagen, ist gescheitert. Zum Glück ist der Hammer unbeschädigt geblieben, wie immer bei solchen Experimenten.

Wir müssen in zwei Richtungen denken: Das tradierte Wissen, dass in Rongorongo aufgezeichnet wurde, im wahrsten Sinne der Worte, ist zweifelsfrei entstanden in einer Zeit, in der es noch keinen einzigen Seefahrer im Pazifik gab, der auch heil und gesund wieder den heimatlichen europäischen oder amerikanischen Hafen anlief. Darüber kann weder diskutiert noch gestritten werden. Wenn es etwas im Zusammenhang mit Rongorongo gibt, ist es diese unumstößliche Tatsache. Das Wissen um den Sinn und Zweck der kleinen „tanzenden Männchen“ ist weder auf der Osterinsel entstanden, noch können wir aus den Informationen ab 1864 auch nur ein einziges Zeichen sinnvoll erklären. Osterinsel-Forschung und Rongorongo-Forschung haben keinen gemeinsamen Nenner. Dass diese Feststellung genau gegenteilig behauptet wird, ist nur über die normative Kraft des Faktischen zu erklären. Mit Beweisen aber niemals zu belegen.
 

Für mich gelten diese Zeichen, die offensichtlich einen erigierten Penis zeigen, als unwiderlegbarer Beweis, dass die „Rongorongo-Software“ alt ist und lange vor den ersten Kontakten mit Europäern und Amerikanern  existierte. Ich schließe mich denjenigen an, die die Besiedlung des Lebensraums Ozeanien von Insel-Asien aus als bisher vernünftigste Theorie ansehen. Die ersten Siedler brachten nicht nur Hardware mit, sie brachten ihr tradiertes Wissen um Götter, Geister und Dämonen mit und selbstverständlich auch ihre Kenntnisse über die ra-ririki, die kleinen Sonnen, also ihr astrologisch/astronomisches Wissen.
 
Bei Johnson/Mahelona (1975 : 175) ist unter dem Namen „Ul“ angegeben : lit, the viril member, penis. Das geht auf eine 1897 notierte Information von Christmann zurück, der diesen Namen von Lamotrek  mit dem Stern Aldebaran in Übereinstimmung brachte.
Von Hawaii ist der Name mit „ule“ ebenfalls für Penis belegt. Emory (1965 : 341) bestätigt unter „Un(u)“ diesen Namen von Kapingamarangi für Aldebaran und Lewis (1972 : 54) erhielt die Information unter „Un, Uun, Ul, Wuun“ von Puluwat ebenfalls für Aldebaran.
Lamotrek gehört heute zu den Federated States of Micronesia und ist geografisch näher an Insel-Asien als jede Insel des polynesischen Dreiecks.
 
Damit ist eigentlich klar, dass die Vorstellung eines sehr hellen virilen Sterns, visualisiert über einen erigierten Penis, von Insel-Asien über Mikronesien nach Polynesien gekommen ist. Dass die vor der Haustür des asiatischen Kontinents liegenden Inseln Mikronesiens von südamerikanischen Indianern besiedelt wurde, wagte nicht einmal Heyerdahl zu behaupten.

Aldebaran ist der Alpha-Stern im Sternbild Taurus. Die Zeichnung zeigt das Sternbild wie wir es von nördlichen Breiten aus sehen. Von der Südhalbkugel beobachtet steht es auf dem Kopf
Einen Namen für den Stern Aldebaran von der Osterinsel kennen wir nicht. Die lediglich 12 Vorkommen des Penis-Zeichens dürften in Wirklichkeit 3 bis 4 mal mehr sein, denn das Zeichen ist leicht mit anderen zu verwechseln. So manches als Fisch deklarierte Zeichen wird sich als Penis herausstellen. Beiden Kopisten war gemein, dass sie ohne deutlich erkennbare Eichelkerbe das Penis-Zeichen nicht erkannten. Aldebaran hat mehrere Zeichen in Rongorongo. Weder Barthel noch Fischer haben das hier gezeigte Penis-Zeichen erkannt und gelistet bzw. beschrieben.
 
Aldebaran ist einer der „Top Ten“ Sterne zur Navigation im Pazifik. Dass wir nun einen seiner zahlreichen Namen von Mikronesien kennen, kann doch nicht bestritten oder achtlos zur Seite gelegt werden. Dass dieser Name in zweifelsfreier Umsetzung als Zeichen in Rongorongo auftaucht, kann nur über Unkenntnis bestritten werden. Solange wir den falschen Propheten einer Osterinselschrift glauben und bedenkenlos ihrer falschen Fährte folgen, bleiben die Verweigerer einer neuen Sichtweise auf Rongorongo der „Chef im Ring“.
 
Die verwaltungstechnische oder – noch viel schlimmer – die politische Zergliederung des Lebensraumes Ozeanien, ist eine nicht unbedeutende Hürde für Rongorongo-Forschung. Ich lehne diese Dreiteilung in Polynesien, Mikronesien und Melanesien für meine Forschungen kategorisch ab.
Das alte Sternwissen aus Mikronesien und Melanesien muss ohne Wenn und Aber in die Rongorongo-Forschung einbezogen werden. Nur Polynesien greift viel zu kurz!
 
Alle jemals gesammelten Informationen von der Osterinsel über und zu Rongorongo haben bisher das Verständnis verhindert. Ich behaupte, dass das alles sehr wohl bekannt war und ist, aber sachliche Argumente haben hier keine Chance, gehört zu werden. Wer gegen den Status Quo und gegen die nKdF, sowie die faktenlose Zeit ankämpft, sollte zuerst bei Don Quichote und Sancho Pansa in die Lehre gehen.
 
(Ich bekam beleidigende und unanständige Beschimpfungen über meine Arbeit und mich als Person in mein Gästebuch geschrieben zu den hier veröffentlichten Arbeiten. Selbstverständlich anonym! Deshalb habe ich es geschlossen. Eine andere Meinung in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft war schon immer gefährlich. Diesbezüglich haben wir seit Galileo nichts dazugelernt).
 
Immer, wenn alle Möglichkeiten zur Lösung eines Problems ausgeschöpft scheinen, stellt sich die Frage, ob es tatsächlich auch so ist oder ob es noch weitere Wege gibt, die zum Ziel führen können. Hier einzuhaken, lohnt sich! Als Kunst und Kult auseinanderdrifteten, entstand aus dem, was bislang unter Kult angesiedelt war im Laufe der Zeit, was heute unter Wissenschaft verstanden wird. Dass diese sich nicht aus der Kunst entwickelte, kann man beim besten Willen nicht wegforschen.
 
Blicken wir nun kritisch auf die Rongorongo-Forschung seit 150 Jahren, so ist doch klar erkennbar, dass alle Versuche und Bemühungen nur unter dem Anteil von 50% stattfanden, die unter Kult, also Wissenschaft, angesiedelt sind. Aus der gleichgroßen zweiten Hälfte des Gesamten, nämlich aus dem Blickwinkel Kunst, gab es keine Forschung. Daraus folgert, dass für Rongorongo-Forschung noch 50% überhaupt nicht zum Einsatz kamen. Es wird von mir bestritten, dass die bisherige Forschung irgendetwas herausgefunden hat, was beweisbar ist! Das Gegenteil ist                            
                                                                                unbeweisbar!

Heute scheint es das erklärte Ziel der meisten Rongorongo-Forscher zu sein, die Unentzifferbarkeit zu beweisen, damit der Mythos weiterlebt. Sie liegen nicht nur im mainstream, sie bestimmen in der Forschung, was der mainstream ist.
 
Wenn wir es nun ganz einfach machen, so ist die Rongorongo-Software alles das, was über „Kult“ in Form von astrologisch/astronomischem Wissen verschlüsselt ist. Außerdem alles das, was meteorologische und seemännische Erfahrungswerte dokumentiert. Also ist dieser Komplex in der Verantwortung der Wissenschaft. Darüber wurde aber bisher  im Zusammenhang mit Rongorongo nicht geforscht, weil sich alle Forscher einig waren, dass es Texte sind, die sich aus dem Verständnis der Zeichen ablesen lassen. Wir drehen uns im Kreis, das mag so manchem recht sein, der andersherum befürchtet, sein Gesicht zu verlieren: der Sache nützt es nicht.
 
Bleiben wir im Bild, dann ist die Rongorongo-Hardware sichtbar in den Zeichen und Objekten. Das ist zweifelsfrei in der Verantwortung der Kunst. Dann sind es ca. 15.000 „tanzende Männchen“, die bisher über uns gelacht haben, weil wir mit Angelutensilien und Ködern auf Berge krochen und mit schweren Bergstiefeln und Eispikeln in Kanus stiegen. Die Berge und Kanus sind noch immer da, versuchen wir es doch ganz einfach mal mit der passenden Ausrüstung und von vorne anzufangen

 

Einfachheit ist die ultimative Form der Perfektion.

 
Diese noch heute gültige Feststellung traf Leonardo da Vinci (1452 – 1519).
 
Leonardo da Vinci war ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph. Er gilt als einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten. (Wikipedia)


(By the way – was er als Maler und Bildhauer bewirkte hat Ewigkeitswert - und noch darüber hinaus! Was er als „Wissenschaftler seiner Zeit“ bewirkte, hat heute nur noch musealen Wert -  mit Eintrittsgeld, Prospekten, einem kostenlosen Newsletter und einer überfüllten Cafeteria in Florenz, Rom - und überhaupt!)
 
Es gab bis zum Eintreffen der Europäer keinen einzigen Menschen in Ozeanien, der eine Vorstellung davon hatte, dass man das gesprochenen Wort über einige Strichlein so fixieren kann, dass jeder in der Lage ist, das abzulesen, und damit wieder in Sprache zurückzuführen, der in das System eingeweiht wurde.
Letztlich waren alle die Objekte, denen wir aus heutiger Sicht das Attribut „Kunst“ anhängen, nichts anderes als fixierte Worte. Jede Petroglyphe, jede Felsmalerei, jede Skulptur aus Holz oder Stein galt zum Zeitpunkt der Entstehung eben nicht als Kunst, sondern immer als „Kult“ und das war auch immer fixierte Sprache.
So gesehen lässt sich Rongorongo über die Zeichen auch als in Holz gekerbte „Sprache“ verstehen, wie z.B. dieses Zeichen:


                                                                                                                   
Und zwar in jeder Sprache, die einen Namen hat für den Stern Beteigeuze im Sternbild Orion. Die bildhafte Vorstellung eines Atua, eines vergöttlichten Ahn, der mit einem Stab den Himmel über uns an diesem Stern festmachte, entstand nun einmal nicht überall auf der Welt, sondern nur in Ozeanien. Deshalb muss jeder vernunftbegabte Mensch doch begreifen, dass die Bedeutung dieses Zeichens nur in Ozeanien gefunden werden kann, weil Rongorongo hier entstanden ist.
Der polynesische Name „ana-varu“ bezeichnet Beteigeuze.
 
Rongorongo fixiert aber deshalb keine zusammenhängenden Texte, obwohl das seit 150 Jahren nur behauptet wird und über die normative Kraft des Faktischen bewiesen sein soll. Rongorongo konserviert keine Namenlisten von Sternen. Weil Informationen, die zur Navigation in der Nacht auch als Zeichen zu identifizieren sind nachweisbar sind, muss es sich um derartiges Wissen handeln. Himmelsrichtungen braucht man nicht für Massenkopulationen im Sinne von Steven Fischer.
Winde braucht man nicht, um das aufzuzeichnen, was Barthel u.a. doch nur vermuten und niemals beweisen konnten.
Es gibt noch keine Forschung mit verwertbaren Ergebnissen für die Rongorongo-Forschung über Sternnamen in Ozeanien, ihre Herkunft, ihre  Verbreitung, ihre Bedeutungen, ihre Umwandlung in neue Namen etc.  

 
Einzelne Forschungen liegen vor – mehr oder meist weniger ergiebig für die Forschung. Sternnamen aus Ozeanien gibt es in der Größenordnung von weit über 2.000, wenn man nicht nur Polynesien im Fokus hat. Von der Osterinsel kennen wir ca. 20 Sternnamen, von denen aber nur fünf auch in anderen Teilen Polynesiens tradiert wurden. Höhlen zur Sternbeobachtung, Ausrichtung von Ahus nach den Solstitien, Sternnamen ohne Angabe um welchen Stern es sich handelt und Vermutungen, Meinungen, Annahmen, Hypothesen, Verschwörungstheorien von Alleserklärern und Besserwissern sind keine fundamentale Basis für die Rongorongo-Forschung.
Jellinek hätte diesem Text niemals zugestimmt, denn nach seiner Überzeugung wäre das alles längst über die nKdF als einzig zulässige Basis der Forschung deklariert worden. Dass Jellinek glühende Anhänger und Kämpfer für seinen Unfug hat - bis heute - versteht sich doch von selbst.
                                                                                                                   
Rongorongo ist für uns so schwer zu verstehen . . .
weil hier altes Wissen und „moderne Grafik“ in einem Mischmasch aus hocus-pocus und science ohne „Gebrauchsanleitung“ seit 150 Jahren mit großem Nachdruck von Forschern in die falsche Richtung gefahren wurden. Eine Kurskorrektur ist aus meiner Sicht z. Zt. nicht möglich.
Die einzige Wahrheit ist die Vergangenheit und über diese wurde mehr gelogen, als es Sterne im Universum gibt. Erfundene Geschichtsschreibung wird zum zweiten Sieg über die Besiegten.
Rongorongo ist für uns so schwer zu verstehen . . .  
weil es sich nicht um ein nach heutigen Maßstäben ausgelegtes einheitliches System handelt. Wissenschaftler allein können Rongorongo nicht entziffern. Kunst allein kann Rongorongo nicht entziffern.

 
(Ein vor 400 Jahren abgeschalteter Motor springt doch nicht einfach wieder an, nur weil der Zündschlüssel gedreht wurde. Aber zum Glück ist auch eine andere Sichtweise möglich. Hätte nicht vor 500 Jahren ein einzelner Mensch den Mut aufgebracht, die falsche Entwicklung anzuprangern, würde der Vatikan noch heute Ablasszettel verkaufen).
 
Das astrologisch/astronomische Wissen in den Zeichen ist entstanden als wir noch nicht wussten, dass es den Stillen Ozean gibt. Bestimmt werden künftige Forschungen herausfinden, welche Sternnamen und andere astronomische Bezeichnungen in Rongorongo woher kommen und ab wann ihre Verbreitung im Pazifik stattfand. Dass aber wohl bis auf wenige Ausnahmen dieses Wissen aus vormissionarischer Zeit kommt, ist unbestritten.

 
Als dann die mit den Entdeckern und den Missionaren in die Region gebrachte naturwissenschaftliche Sichtweise immer mehr Anhänger fand, entstanden die Zeichen, um die es seit 150 Jahren geht. Sie konnten erst erfunden worden sein, als sich die von uns so bezeichnete Epoche der nachmissionarischen Zeit innerhalb weniger Jahre überall in Ozeanien etablierte. Wahrscheinlich war es so, dass zuerst das Gebiet der Gesellschaftsinseln besiedelt wurde, danach Hawaii und dann Neuseeland. Als das abgeschlossen war, wurde sogar die Osterinsel entdeckt und besiedelt.
Für mich gibt es keinen Zweifel an der weit geöffneten Rongorongo-Schere:

 
Software = alt
 Hardware = neu
 
Ich habe bereits über die Zeichen für die Himmelsrichtungen Nord und Süd geschrieben. In meinem 2. Buch habe ich noch einmal sehr ausführlich diese so ungemein bedeutsamen Zeichen in Rongorongo analysiert.
Die Handzeichen sind zweifelsfrei erst entstanden, nachdem mit den Entdeckern und Missionaren naturwissenschaftliche Erkenntnisse auch den Tohunga in der Südsee zugänglich waren. Natürlich gab es Namen für die Kompassrose schon in vormissionarischer Zeit, aber in Rongorongo sind Sternnamen und Sternkonstellationen über Zeichen zu finden, deren bildhafte Vorstellungen nicht auf Vorlagen aus alter Zeit beruhen. Es finden sich Namen von Sternen, die ebenfalls wohl erst in nachmissionarischer Zeit entstanden.
 
Ich bin absolut sicher, dass es mit  „Siebenmeilenstiefeln“ in der Forschung vorangeht, wenn Linguisten nicht mehr nach Texten suchen, die es nicht gibt, sondern ihre Kenntnisse einsetzen, damit wir die ganze Problematik der Sternnavigation über Namen und Begriffe viel besser verstehen, als bisher. Linguisten können hier grundlegende Arbeit leisten, denn in allen diesen bildhaften Vorstellungen sind briefings versteckt, die bisher nur ich gefunden habe. „As a matter of fact“ – Fantasiezeichen gibt es nicht in Rongorongo, aber viel Fantasie wurde aufgewendet, um aus bildhaften Vorstellungen großartige Miniaturen zu schaffen, die teils jedenfalls den wahren Meister der Bildhauerkunst in den Objekten erkennen lassen.
Wie verwirrt muss man sein, um solche Feststellungen zu treffen und zu behaupten, sie seien in Rongorongo über Zeichen notiert?

 „Frau“ ist ein Männerarm
und „Mörder“ ein Steinbeil!
 
 
(Forschungswarnung! ! !
 
Sollten Sie durch meine Texte angeregt worden sein, nun selbst mit Rongorongo-Forschung zu beginnen, empfinde ich es als meine Pflicht, Sie „auf Risiken und Nebenwirkungen“ hinzuweisen.
Sie entscheiden, ob Sie zu hören bekommen: „Das finde ich aber spannend, was Sie da machen“ oder ob Sie hören werden „So einer sind Sie - wohl durchgeknallt“.
Seit 30 Jahren habe ich meine Schutzmechanismen perfektioniert, wenn jemand von jemandem gehört hat, der einen kennt, der mich kennt und weiß, dass ich Rongorongo-Forschung betreibe, dies vehement abzustreiten. Stattdessen behaupte ich, es handele sich wohl „um ein Missverständnis, denn ich betreibe nur Osterinsel-Forschung“. Warum das alles?)


 
 
 
Hermeneutik – und die Götter haben
schon wieder nicht aufgepasst.
 
Hermeneutik ist eine wissenschaftliche Methode. Man versteht darunter ein Verfahren, um Texte auf reflektierte Weise zu verstehen und auslegen zu können. Die Methode wird seit 400 Jahren angewendet und ist inzwischen in zahlreiche Untermethoden gegliedert. Eine Methode ist entweder richtig oder falsch. Sie ist nicht „festgemauert in der Erden“, Methoden werden ständig neue erfunden, die meistens die bisherigen ablösen. Hermeneutik wurde im Laufe der Zeit immer mehr verfeinert, die Methode ist anerkannt als eine Theorie des Verkündens, Übersetzens, Erklärens und
Auslegens.
 
Leider sind es viel zu viele Rongorongo-Forscher, die im Auslegen der Hermeneutik einen Freibrief sehen und die Möglichkeit erkennen, grenzenlos zu behaupten und ihre Fantasien über solche Auslegungen in vermeintlichen Erkenntnisgewinn auszudrücken. Ihre spektakulären, aber haltlosen Behauptungen, sind leider für die unseriöse weltweite  Journaille ein „Traumpass mit Torgarantie!“ Journalisten, die wissen, wie eine Recherche anzugehen ist, fallen auf solche Scharlatane nicht herein.

Bitte betrachten Sie nun in Ruhe dieses Zeichen:


 
 Ich frage mich, was an dieser simplen Grafik nicht zu verstehen ist? Der Maori Rongorongo hat stark vereinfacht und nicht in korrekten anatomischen Proportionen (grundsätzliches Gestaltungsmerkmal in Rongorongo) einen Arm mit einer Hand „gezeichnet“. Damit es keine Verwechslung gibt mit dem „Hand-Zeichen“ für Süden, hat der Meister eine Lösung gefunden, die Eleven der Kunst im 1. Semester bereits kreativer können. Seine simple Lösung ist „grafische Hausmannskost“ – aber effektiv.
 
So dachte ich über viele Jahre hinweg, bis ich die Beschreibung des Zeichens fand und wieder einmal feststellen musste, wie unmöglich es ist, die tanzenden Männchen zu verstehen, wenn wir nur unser Wissen, unsere Vorstellungen, unsere Erwartungen, unser Weltbild! ! ! Rongorongo überstülpen und besserwisserisch alleserklärend vorgeben zu wissen, was Sache ist.
Die Maori brauchten einen „Arm mit Hand“, um damit einen Stern zu markieren. So einfach ist das, trotzdem wird es hier nicht weiterführend erklärt, denn dieser Stern ist so wichtig, dass ich ihn separat mit seinen ca. 150 Vorkommen in vielen Variationen und Verbindungen noch besprechen muss.

 
Barthel erklärte das Zeichen als  - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Hand!
Ich fragte ihn in Tübingen, ob er den dazugehörigen Arm amputiert haben möchte, wenn er doch nur eine Hand braucht, ist der daran hängende Arm nutzlos. Aber außerdem hat Rongorongo doch bereits Hand-Zeichen, also wozu noch einen Arm mit Armgelenk zwischen Unter- und Oberarm?
Der Gelehrte zuckte mit der Schulter und meinte, dass er mehrere Entzifferungen mit seiner Zeichendeutung vorgelegt hatte.
Nun kommt die Hermeneutik ins Spiel über einen deutschen Rongorongo-Forscher, dessen Namen ich nicht nenne und die Belegstelle in „seinen Forschungen“  ebenfalls nicht.
Dieser Forscher ist ganz genau wie ich der Meinung, dass in Rongorongo nichts das ist, was ein Zeichen vorgibt zu sein. Seine Kritik an meinen Forschungen hat er mir gegenüber mit „primitiv und naiv sowie grundlegend falsch“ bezeichnet, weil ich doch davon ausgehe, dass ein Arm ein Arm ist und ein Kanu ein Kanu usw. Dass ich dann aber meine Quelle nenne, die mir sagt, was sich hinter der Vorstellung Arm oder Kanu verbirgt, lässt er weg, wie es allgemein meine Kritiker auch so handhaben.
Die Konzeption „Nichts ist je es selbst“ ist inhaltlich zu verstehen. Das Zeichen für einen Fisch oder Vogel oder Mensch etc. ist zunächst formal als das zu bestimmen, was das design aussagt. Erst dann ist das „meaning of design“ zu klären.
 

Dieser deutsche Forscher argumentierte nun, dass ein männlicher Arm als Zeichen in Rongorongo kein männlicher Arm sein kann, weil das zu naiv ist. Ein Männerarm ist ein weltweit bekanntes Symbol für
 
Arbeit.
Dann macht er das, was in dieser Forschung Usus ist, nämlich Erklärungen erfinden.
In China und Japan z.B. ist das Symbol für Arbeit denjenigen zugeordnet, die die Arbeit verrichten. Und das waren Frauen, denn die Männer hatten mit den Göttern zu tun,  Rituale abzuhalten, ihre Geschäfte zu erledigen und konnten derart niedere Handlungen doch nicht selbst ausführen. Hermeneutik im Sinne von auslegen zwingt deshalb dazu,
den Arm mit Arbeit
und Arbeit mit Frau zu verbinden.
Also kann das Zeichen eines Männerarms doch nur in Rongorongo die Bedeutung haben:
Frau
Damit ist immerhin der erste Teil in dieser headline erklärt. Und ich erkläre, dass ich dieser Deutung nicht folge, jetzt nicht und niemals!
 
In Rongorongo gibt es zwei Zeichen für das Steinbeil. Mit der gleichen falsch verstandenen Auslegung der Hermeneutik stellen wir fest, dass das Steinbeil die Lieblingswaffe aller Krieger in Ozeanien war. Man benutzte sie im Kampf. Daran ist nichts falsch – oder? Also bedeutet ein Steinbeil in Rongorongo natürlich nicht die Waffe, sondern ist eine Metapher für 
Mord und Totschlag!
Nun müssen wir unter ca. 15.000 Zeichen nur noch die Zeichenverbindung zwischen Mann und Steinbeil finden, dann haben wir nämlich einen richtigen erkennbaren
Mörder!
(Ha – so geht Rongorongo!) Da ich mehr als 100 Belegstellen zwischen Mann, Fisch, Schildkröte, Kanu, geometrischen Zeichen und noch  viel mehr tanzenden Männchen und dem Steinbeil aufzählen kann, zitiere ich nur die Belegstellen, die sich bildhaft ganz von alleine erklären. Das wären dann diese Zeichen:
200.63
zu finden auf
Br 4,4; Qv 6, Hv 6
 
Ist doch alles glasklar. Bisher unerkannt treibt sich möglicherweise eine Mörderbande in Rongorongo herum. Und wenn Sie die Texte hier im Internet gelesen haben, wissen Sie, dass es einen Rongorongo-Forscher gibt, der vorgibt, den Mörder unter den Zeichen gefunden zu haben. Ich habe diese Texte nur „überflogen“, weil ich sonst Albträume zu fürchten hätte.


So also sieht ein Mörder in Rongorngo aus! Der Mann wird 100 kg wiegen, das mannshohe Steinbeil aus Pounamu (greenstone oder Jade) etwa 600 kg. Damit einen anderen Mann zu erschlagen, ist ein Wunder!
Ich glaube dagegen, das ist kompletter Mist in der Forschung, sich derart dumm zu verhalten und das simple „Werkzeug Hermeneutik“ so zu missbrauchen, dass man nur noch sprachlos sein kann.
Natürlich hat das alles nichts mit Forschung zu tun, leider aber mit Wissenschaft. Wenn solche Erklärungen die Ausnahme wären, wenn solche Dummheiten sich beschränken würden auf wirklich nur wenige Vorkommen, müsste man kein Wort darüber verlieren. Aber es gibt sie nicht nur hundertfach, man findet sie tausendfach in der trivialen Rongorongo-Literatur und der wissenschaftlichen leider auch, zum Glück aber recht selten.
 
Ich habe  in keiner Publikation auch nur andeutungsweise gefunden, solche Irrwege ganz offen anzusprechen. Kritik ist unerwünscht und wird nicht zugelassen. Während in der wissenschaftlichen Literatur der letzten 20 Jahre mehr und mehr Zeichenübereinstimmungen diskutiert wurden, die es schlicht und einfach überhaupt nicht gibt, wird insbesondere in der inflationären Osterinsel-Literatur das Image von Rongorongo in die Richtung pornografischer Männerfantasien gerückt.
Es ist allzu verständlich, dass jeder vernünftige Mensch, der sich noch eine gesunde kritische Sichtweise bewahrt hat, nur entsetzt ist über das, was die Ergebnisse der Rongorongo-Forschung bisher zutage brachten. So kann man doch auch verstehen, dass jeder, der sich mit dieser vermeintlichen Osterinselschrift auseinandersetzt, in die Ecke „Pornografie“ gestellt wird.
 
In meiner Subkultur ist es noch immer eine hohe Anerkennung und Ehre, Schüler und dann Meisterschüler zu werden bei einem Maler, der unangefochten zu den Besten zählt. Auch Wissenschaftler berufen sich darauf, bei einem der Großen ihres Fachs, z.B. bei einem Nobelpreisträger, studiert zu haben oder sogar in sein Team berufen worden zu sein. Obwohl 35 Jahre Lehrer in Tübingen, gab es keine einzige Schülerin und keinen einzigen Schüler, der bereit war, weiterzuführen, was Thomas Barthel einst begründete. Warum?
 
Es ist eine der größten Lügen in der Kulturgeschichte der Menschheit von einer Osterinselschrift zu sprechen. Diese Lüge wurde von Wissenschaftlern in die Welt gesetzt und nicht von angeblichen Informanten, die ohnehin nur das sagten, was Steven Fischer ganz zu recht ansprach und damit auf den Kern des Übels hingewiesen hat: . . . what  the visitors wished to hear!
 
Man kann jedes Bild „kaputtmalen“ und man kann jede Forschung hinbiegen, wohin man sie haben will. Wenn das der allgemein übliche Weg ist, den jeder geht, weil es doch unwidersprochen bleibt, ist jeder  andere Ansatz von vornherein und ungeprüft sofort der zu bekämpfende Feind. Aber das darf niemand aufschreiben und das darf niemand kritisieren.
 
Wie soll man eine Kurskorrektur vornehmen, wenn kein Kurs bestimmt ist? Wie soll man mit einem falschen Ansatz zu einem richtigen Ergebnis kommen? Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen.
 
 
Never change a running system – auch die Kontinuität des Misserfolges ist ein running system.
 
 
Kontinuität ist doch keine Garantie für den Erfolg. Was man 150 Jahre falsch gemacht hat, wird über Ausdauer nicht zur Wahrheit geadelt. Man kann jede neue Erkenntnis ganz leicht stoppen und abwehren, man muss nur die alten Regeln überstülpen, um festzustellen, dass das Neue nicht passt, also deshalb auch nicht stimmen kann. Die johlende Zustimmung der Mehrheit ist in solchen Fällen immer  gewiss!
 
Wenn man ausgestiegen ist aus dem, was sich bisher als Rongorongo-Forschung ausgibt, kann man einsteigen in Rongorongo-Forschung. Anders geht es nicht und das ist nun wirklich alternativlos!
 
Am Himmel in der Nacht erkannten die Tohunga kokorangi, die Astronomen, zwei Steinbeile, die von verschiedenen Sternen gebildet wurden. Das ist außergewöhnlich und für uns eigentlich nicht vorstellbar. Wir leben ja auch nur unter „einem Himmel“, nämlich dem, der sich Nacht für Nacht über der nördlichen Halbkugel ausbreitet. Wenn wir auf Reisen gehen in unserem Siedlungsgebiet, bleiben die Sterne  unverändert. In der Südsee aber kannte man zwei Himmel und das konnte auch nicht anders sein. So wäre es leicht vorstellbar, ein Sternbild als Steinbeil über der Nord – und das andere Steinbeil über der Südhalbkugel anzusiedeln. Wenn dann die beiden Sternbilder nicht zeitgleich am Himmel sind oder nur für kurze Zeit eine solche Überschneidung in der Beobachtung bestünde, gäbe es keine Verwechslungen. Was aber, wenn beide Steinbeile zeitgleich am gleichen Himmel zu beobachten sind?
 
Wenn Sie nun – wie ich auch – der Ansicht sind, dass man dann doch nur zwei verschiedene Zeichen braucht und das Problem wäre keins (und es war auch niemals eins), dann bekommen Sie Ärger mit den Rongorongo-Forschern. Eine solche Problemlösung ist nicht „sophisticated“, sie ist so primitiv, wie nun einmal vox populi immer so simpel daherkommt.
Nein, nein – die Schriftgelehrten von der Osterinsel brauchten die Zeichen angeblich nur als „Merkhilfe“, sie hatten angeblich gelernt, ob dieses Zeichen eines Steinbeils
 
 
für das eine oder andere Sternbild steht. Rongorongo-Tafeln waren nach dem Ratespiel unwissender Osterinsulaner hölzerne „Spickzettel“, die nur das Stichwort angaben und dem Vorleser oder –sänger somit als Gedankenstütze dienen sollten.
Nichts ist unpolynesischer als diese Lüge – aber auf Maß geschneidert für europäisches Vorstellungsvermögen! Bei wichtigen Anlässen konnten Tohunga teils über drei Tage hinweg ausschließlich aus „dem Kopf“  die schier endlosen Listen der Genealogien rezitieren. Mündliche Überlieferung ist undenkbar und unmöglich, wenn auch nur die allerkleinste „Merkhilfe“ dabei eine Rolle gespielt hätte. Wissen war in Köpfen – Wissen war niemals auf Felswänden, als Tatoos auf Körpern, in irgendeiner gemalten, gezeichneten, geschriebenen Form. Es war ein Maori Häuptling in Neuseeland, der sehr emotional begründete, dass „Schrift“ für ihn und seinen Stamm niemals infrage kommen würde: „Es gibt keine Höhle und keinen Ort, der so geheim unauffindbar ist, dass mein Feind ihn nicht finden könnte. Geheimnisse sind nur in Köpfen von Menschen sicher, die sofort tot umfallen, sollten sie das strenge, bei Verrat mit dem Tod belegte Tabu, brechen wollen“
Das war kein Einzelfall, solche Berichte waren bekannt, bevor Rongorongo-Tafeln entdeckt wurden.
 
 
Schrift - der Tod von Geheimnissen.
 
Sogleich nach der Entdeckung im Jahr 1864 konnte man alles Erdenkliche über Rongorongo behaupten, wenn es nur absurd und möglichst geheimnisvoll klang. Die Fragesteller wollten nur solche Antworten hören. Man war fasziniert davon und ist es bis heute, dass es auf der Osterinsel regelrechte Rongorongo-Schulen gegeben haben soll nach westlichem Vorbild. Suggestivfragen sind vor jedem ordentlichen Gericht unzulässig, in der Rongorongo-Berichterstattung seit 1864 aber das beliebteste Instrument gewesen, um nur zu hören, was die Befragten gefälligst zu antworten hatten. Danach wurde jede jemals geäußerte Behauptung über die Osterinselschrift in die Lehrbücher geschrieben und als „altes geheimnisvolles Wissen“ kritiklos als Wahrheit ausgegeben.
 
(Als besonders unangemessen empfinde ich, dass die authentischen Fragesteller Zweifel an den Aussagen äußerten, die sie zu hören bekamen und diese teils massiven Zweifel  ja auch notierten. Die nachfolgenden Generationen hatten dann aber genau diese Aussagen so verfälscht, dass sie ihren eigenen Zwecken dienten).
 
Die Steinbeile aus dem Pazifik sind längst wissenschaftlich bearbeitet und katalogisiert, klassifiziert und einzelnen Epochen, Stämmen und sogar namentlich bekannten Meistern zugeordnet. Das interessiert aber nicht, wenn man ein Zeichen für ein Steinbeil entwerfen muss. Hier kommt es nur darauf an, das allgemein übliche formale Erscheinungsbild einer solchen Waffe, die auch als Werkzeug benutzt wurde, streng zu abstrahieren. Das zu gestaltende Zeichen musste sich in Holz kerben lassen, ohne den Firlefanz unnötigen barocken Schwulst in die Gestaltung einzubeziehen.
 
Rongorongo-Forschung ist nur glaubwürdig, wenn man ohne komplizierte Formeln auskommt und nachvollziehbare  Ergebnisse vorzeigt, die schlicht und einfach durch gründliches Nachdenken entstanden sind – nur durch gründliches Nachdenken ! ! !
 
Zuerst zeichnete ich deshalb einige der typischen Formen solcher Steinbeile, die dann über Sterne das polynesisches Sternbild quasi rekonstruierten.  
 
Man muss für die Rongorongo-Forschung nichts über die Bedeutung von Steinbeilen wissen als Objekte für Kult und Rituale, für den Haus- und Bootsbau in Ozeanien. Aber man muss in der Lage sein, in den vielfältigen Formen und verschiedenen Materialien die „Grundform“ zu erkennen, die „Seele“ eines Steinbeils erkennen. Man muss in der Lage sein, die Urform, und niemals die später entstandene „Luxusform mit reichhaltigen Meisterschnitzereien“, gedanklich zu rekonstruieren.
Gotik – das ist der Spitzbogen. Romanik – das ist der Rundbogen. Das  kann man nicht wegforschen und man kann es nicht willkürlich anders interpretieren.
 
Noch einmal und alternativlos laut gesagt: Die Geschichte und die Geschichten rund um das Steinbeil interessieren mich als Rongorongo-Forscher noch weniger, als die Tageszeitung von gestern. Die gekonnte Abstraktion eines drei-dimensionalen Gegenstandes in eine lineare Form von maximal 20 Millimetern, meistens deutlich kleiner, zu sehen, treibt meinen Adrenalinspiegel nach oben.
 
Es besteht nicht einmal ein einziges Atom eines Unterschiedes zwischen dem Ei eines heute lebenden Kolibri und dem fossilen Ei eines vor 60 Millionen Jahren gelebten Sauriers. Diese ewig gültige Konzeption einer Urform muss ich als Rongorongo-Grafiker in mir haben. Die Forscher, die sich bisher daran versuchten, Rongorongo-Zeichen zu erklären, hatten den Spiegelsaal eines Rokoko- Schlosses vor ihrem geistigen Auge. Sie sahen Elfen und Feen tanzen im Morgenlicht des nahen Moores über dem Wasser. Und wenn sie nachts in den Himmel schauten, erkannten sie den Mond. Immerhin, mehr als nichts!
 
 
 
Wird fortgesetzt



Hier finden Sie das Buch zu meinen Forschungen:

http://www.grin.com/de/e-book/317681/auf-goetterpfaden-ueber-den-pazifik-die-geschichte-der-vermeintlichen/?partner_id=1202373








 






 
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