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Rongorongo


Rongorongo ist entzifferbar.
Die Osterinselschrift aber nicht.
Teil 9
Michael H. Dietrich
 
Rongorongo aus unserer naturwissenschaftlich geprägten Denkweise zu verstehen, ist zum Scheitern verurteilt.
Rongorongo-Notationen sind astronomische Befunde, die nach meinen Untersuchungen das alte Wissen um zielorientierte Seefahrt im Pazifik konservieren.
In der Astronomie – wie in jeder  Wissenschaft – ist die Nomenklatur ausnahmslos für alle bindend. Man kennt 88 Sternbilder, die Sterne sind mit Namen bezeichnet, ihre Koordinaten festgelegt usw. – man spricht „mit einer Zunge“ - um es philosophisch auszudrücken.
 
Jede Versuchsanordnung muss unter gleichen Bedingungen stets zu den gleichen Resultaten führen. Ist das nicht immer der Fall, gibt es einen oder mehrere Fehler. Das alles ist längst bekannt und geläufig und man darf sich wundern, warum ich derart platte Gedanken überhaupt vortrage.

Dieses Zeichen hier ist der Grund dafür, der mich mehr als 20 Jahre beschäftigt hatte:

 
 
 
Es ist genau genommen kein Zeichen, es ist eine Zeichenverbindung aus 2 Solo-Zeichen. Die Feststellung ist nachprüfbar – aber:
 
Diese Zeichenverbindung darf es in Rongorongo nicht geben.
 
Warum? Barthel hatte es unter Nummer 670 auf seinen Formentafeln gelistet und alle Vorkommen ermittelt. Nach meinen Untersuchungen sind es mehr als 100 Belegstellen, die es nicht geben darf, weil sie den Grundsatz eines jeden Zeichen-Systems ignorieren, dass ein Zeichen und eine Kombination mit anderen in allen Vorkommen stets das gleiche Resultat ergeben muss. Ist das nicht der Fall, muss in meinem Verständnis von Rongorongo ein grundlegender Irrtum unerkannt sein.
 
Jedenfalls habe ich 20 Jahre darauf gepocht, es richtig(-er) zu wissen und die Meister der „tanzenden Männchen“  wegen ihrer Inkonsequenz und permanenten Widersprüchlichkeit so beschimpft, dass ich es hier besser weglasse.
Rongorongo hat nur etwa 80 bis 100 Solo-Zeichen, wie ich sie nenne, aus denen mehr als 1.500 Kombinationen gebildet wurden.
(Ich hatte für einen Artikel über meine Forschungen eine Aufstellung der Solo-Zeichen angelegt, aber aus fehlerhaften Abschriften von Barthel und Fischer kann nur eine fehlerhafte Aufstellung herauskommen. Sollten eines Tages zuverlässige Vorlagen verfügbar sein, wird das gewiss erst dann zu einem richtigen Resultat führen).

 
Von Anfang an wurde in der Forschung erkannt, dass Rongorongo ungemein kreativ ist in der Kombination von Zeichen. So war es auch naheliegend, dass sofort die Frage aufkam, ob diese Zeichenverbindungen oder –kombinationen neue Zeichen mit neuen Inhalten sind oder ob die Inhalte der an den Kombinationen beteiligten Zeichen erhalten geblieben sind in einer Interaktion, also in einer wechselseitigen Beziehung. Das Problem besteht weiter, denn bis heute gibt es keine bewiesene und nachvollziehbare Antwort. Sie muss gefunden werden, sonst kann Rongorongo-Forschung nicht weitergehen!
 
Der erste Schritt ist zunächst eine formale Frage, denn die an den Kombinationen beteiligten Solo-Zeichen zu erkennen, gelingt nur sehr erfahrenen Fachleuten, die den Zeichenbestand „im Kopf“ haben und bei solchen Kombinationen sofort die „Teilnehmer“ erkennen. Das sieht einfacher aus als es in Wirklichkeit ist.

 
Der zweite Schritt muss klären, ob die Kombinationen wirklich völlig neue Inhalte transportieren – oder nicht!
 
In allen meinen Publikationen habe ich Zeichenverbindungen in ihre Bestandteile zerlegt und erklärt. Das waren vorwiegend „lineare Analysen“ (gibt es den Begriff überhaupt?). Einfacher gesagt habe ich Formen untersucht, die aus verschiedenen Bestandteilen zu einem neuen Ganzen verbunden wurden.
 
Jetzt kommt Farbe dazu!
Für uns Maler besteht die sichtbare Welt aus drei Farben:

 
Blau - Rot - Gelb
 
Aus diesen Farben können wir alle anderen „mischen“. Über die beiden Grundfarben Blau und Gelb entsteht z.B. durch mischen der Farbton Grün. 
Niemals könnte ich den Farbton Orange aus diesen beiden Grundfarben erzielen. Zwar ist Gelb als eine Farbe vorhanden, aber ich brauche natürlich Rot, um Orange zu mischen.


 
Farbig unterlegte Rongorongo-Zeichen sind zunächst ungewohnt, weil es sie nicht gibt. Zur Demonstration ist das zulässig. Ich kann nicht verstehen, warum die in den beiden Grundfarben enthaltenen Informationen, die zwangsläufig zu Grün führen, eine gänzlich andere Information ergeben sollten? Wenn das wirklich der Fall wäre, ist Rongorongo aus meiner Sicht unentzifferbar. Willkür kennt keine Gesetze, eine Entzifferung ist aber kein Ratespiel! Nur Ordnung mit System kann verstanden werden, Unordnung dient nur denen, die ihre eigenen Gesetze Rongorongo überstülpen.
Die obere Grafik muss nicht näher erklärt werden, sie spricht für sich selbst.
 
Relativ einfach kann man erkennen, welche Zeichen an der Kombination beteiligt sind:
                       
Wenn die Bedeutung der einzelnen Solo-Zeichen bekannt ist, muss sie aus meiner Sicht in der Zusammenführung auch so verstanden werden. Es gibt doch keinen Hinweis darauf, dass eine andere Deutung in Betracht gezogen werden könnte.
 
Im vorherigen Teil habe ich das Zeichen der fliegenden Ente ausführlich besprochen und es als das Sternbild Crux identifiziert. Crux ist ein ganzjährig von der südlichen Halbkugel beobachtbares Sternbild, Astronomen nennen das zirkumpolar. Sichtbar ist es von 90° Süd bis 25° Nord. Von Hawai aus kann man das Sternbild kurzzeitig und nur knapp über dem Horizont sehen, wie im vorherigen Kapitel gezeigt.
 
Für das andere an der Verbindung beteiligte Zeichen fand ich eine bildhafte Beschreibung, die genau passt:
 
Makemson 1941 : 229
348. Manu-kaki-oa, Bird-with-a-long-neck; the Marquesan name for Ursa Major.
 
Ich konnte das Zeichen zweifelsfrei in Übereinstimmung bringen mit dem Namen für den Großen Bären, wie wir das Sternbild nennen. Die Übersetzung heißt „Vogel mit einem langen Hals“. Nach meiner Erkenntnis, handelt es sich eben nicht um einen solchen wirklichen Vogel, es ist ein Sternbild, ganzjährig sichtbar von der nördlichen Halbkugel, deshalb nennt man es auch ein zirkumpolares Sternbild.
 
Ursa Major, also der Große Bär, ist sichtbar von 90° Nord bis 17° Süd. Die Marquesas liegen ca. 1.600 Km nordöstlich von Tahiti bei 9° Süd und 139° West. Die sternkundigen Männer auf den Marquesas konnten und können das Sternbild sehr wohl beobachten, natürlich nur eine kurze Zeit im Jahr.
 
Eine Sternverbindung, wie in der hier gezeigten Zeichenverbindung von Crux im Süden und Ursa Major im Norden ist nichts anderes als sinnlos. Mit Navigation hat das nichts zu tun, mit einer astronomischen Beobachtung auch nicht. Unter der Prämisse, dass es sich um Crux und Ursa Major handelt, kann es sich nur um eine Fehldeutung handeln. Entweder ist ein Zeichen falsch gedeutet oder sogar beide. Aus Blau und Gelb ist im übertragenen Sinn Orange entstanden und meine Rongorongo-Forschungsergebnisse wären nichts anderes als ein Irrtum – sollte es dabei bleiben!
 
Das Problem geht viel tiefer, als man vermuten könnte. Wäre es ein Einzelfall, hätte ich diverse Erklärungen anzubieten. Aber es ist leider so, dass sich dieser Befund durch das gesamte System zieht. Immer wieder stößt man auf nicht eindeutige Zeichen.
 
Das Zeichen des Vogels mit dem langen Hals in allen Variationen lässt sich über mehr als 100 Belegstellen mit Ursa Major in Übereinstimmung bringen. Bei diesem Solo-Zeichen habe ich noch keine andere Bedeutung gefunden.
 
Das ist ja noch im grünen Bereich. Moa, die fliegende Ente, ist hier das Problem, weil ich auf viele  Zeichenverbindungen mit Sternen und Konstellationen getroffen bin, die sich mit Crux in dem Zeichen der fliegenden Ente überhaupt nicht verbinden lassen. Zahlreiche Zeichen ergeben mal eine sinnvolle Verbindung mit anderen und nur einige Zeichen weiter in der gleichen Zeile, schon wieder nicht.
Bei gleichen Zutaten und gleichen Bedingungen dürfen nicht unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. (Auch Entzifferer würfeln nicht!)
 
„Tracing“ nennt man heute die Ablaufverfolgung in der Computersprache, um den Fehler zu finden. Ich habe 20 Jahre lang den Fehler gesucht und nicht gefunden.
 
Dann aber doch!

(Zur Verzweiflung getrieben hat mich, warum aus zwei klar identifizierten Zeichen eine Verbindung entsteht, die es so nicht geben kann. Besonders gelitten habe ich unter der Gewissheit, dass es dafür eine ganz einfache Erklärung geben wird, die von mir nur deshalb nicht gefunden werden konnte, weil ich mit meinem  euro-päischen Verständnis von Zusammenhängen vorbelastet bin, das die Maori mit Rongorongo offenbar nicht hatten).
 
Möglicherweise lag der Fehler nicht im System, wahrscheinlich mache ich den Fehler über meine Sicht der Dinge - obwohl es ihn überhaupt nicht gibt! ! !
Die schlimmsten Momente in der Forschung sind gekennzeichnet vom Zweifel an der eigenen Arbeit, der Ungewissheit, sich überfordert und der Sache nicht mehr gewachsen zu fühlen)
 
Mehrfach habe ich darauf hingewiesen, wie widersprüchlich die astronomischen Informationen sind, die in 250 Jahren Forschungsarbeit in Ozeanien gesammelt werden konnten.
Es gibt nur sehr wenige Sternnamen, die offenbar überall in Polynesien und darüber hinaus den gleichen Stern oder das gleiche Sternbild meinten. Matariki, die „kleinen Augen“ war einer dieser Namen, der eben überall (zumindest in Polynesien) mit den Plejaden in Verbindung gebracht wurde. Aber auch Crux wurde weit und breit mit „moa“, einer (fliegenden) Ente assoziiert.
 
Für das Symbol des Nachthimmels über der südlichen Hemisphäre Crux fand ich einige Namen, von denen aber nur wenige übersetzt sind. Insgesamt schätze ich, dass es mehr als 15 Bezeichnungen für das Kreuz des Südens in der Literatur gibt. Das ist nur ein Teil der Wahrheit, der mich in die Hölle führte und nicht ins Nirwana. Jetzt ist wieder der alte Konflikt im Spiel, der längst noch nicht überwunden ist.
Das „Entweder-Oder-Prinzip“ kollidiert mit dem „Sowohl-als-Auch-Prinzip“. Die verschiedenen Namen für Crux sind nicht das Problem, die verschiedenen Bedeutungen für „moa“ sind das eigentliche Problem!
 
Können Sie sich vorstellen, dass man in Bayern unter „Orion“ ein anderes Sternbild kennt als z.B. in Schleswig-Holstein? Wenn eine Ente - oder eine fliegende Ente - das Sternbild ist, das wir mit dem „Kreuz des Südens“ bezeichnen, dann ist das für mich eine eindeutige Aussage. Es spricht doch nichts dagegen, dass man für ein Sternbild mehrere Namen hat und verschiedene „bildhafte“ Vorstellungen damit verbindet. Auch wir haben für die Plejaden zum Beispiel verschiedene Namen und Bilder, aber es sind dann immer die Plejaden! Verwechslungen sind für uns unerträglich und müssen aus der Welt geschafft werden. Rongorongo arbeitet bewusst mit Doppelbedeutungen, bewusst mit „sowohl . . . als auch“ Verwirrungen.
 
 
Eindeutigkeit ist meine Denkweise, die ich so gelernt habe, die ich beherrsche, mit der ich durchs Leben gekommen bin, die ich für richtig halte, die sich bewährt hat und für die ich noch weitere gute Gründe finden könnte, um festzuschreiben, dass wir damit richtig liegen und unsere Wahrheit  . . .
 
(Zum Teufel damit! Es gibt mehr Wahrheiten als unsere begrenzte Sicht der Dinge). 
 
Längst hatte ich gelesen – aber nicht zur Kenntnis genommen – dass auf der Insel Pukapuka, die zu den Cookinseln gehört, das Sternbild des Delfins unter dem Namen „Te-Toloa“ bekannt war, übersetzt „Ente“. (Makemson 1941 : 262).
Bei allen solchen Namen muss man davon ausgehen, dass sie auch auf anderen Insel in Polynesien tradiert wurden und nicht nur da, wo man den Namen fand.
 
Mehrfach habe ich darauf hingewiesen, dass die Sprachen in Ozeanien das Konzept der Mehrdeutigkeit praktizieren. Die meisten Worte haben mehr als nur eine Bedeutung. Wenn in einer solchen Kultur ein System von Zeichen entwickelt wird, wäre es doch nur naheliegend, auch diese mit mehreren Bedeutungen zu versehen.
So verlockend der Gedanke auch ist, Zeichen, die mehrere Bedeutungen haben, sind ein Ratespiel. (Es sei nur daran erinnert, dass es sich hier um Rongorongo handelt. Wie das bei anderen Schriften oder Zeichensystemen funktioniert, interessiert nicht). Das wussten aber auch die Maori Rongorongo, denn das Zeichen für das Sternbild Crux und das fast identische Zeichen für das Sternbild des Delfins, unterscheiden sich ganz geringfügig. Das hatte ich übersehen!


Sehr stark vereinfacht hier die beiden Sternbilder, wie wir sie zusammensetzen. Der Delfin ist am Himmel noch kleiner gegenüber dem Kreuz des Südens und beide Sternbilder sind ohnehin klein.
 
Die Skelettlinien, wie man es in der Astronomie ausdrückt, sind reine Willkür ohne einen wissenschaftlichen Hintergrund. Sie sind auch nicht einheitlich festgelegt, in amerikanischen oder in europäischen Büchern findet man unterschiedliche verbindende Linien. Das interessiert aber nicht, weil man in Ozeanien unsere Sternbilder nicht kannte, man hatte seine eigenen. 


Selbstverständlich kann ich das Sternbild des Delfins genau so als ein Kreuz sehen, wie das Kreuz des Südens. Dann hätte ich ganz einfach die Ente im Süden als Crux   und die Ente im Norden als das Sternbild, das wir unter Delfin verstehen.
 
Aus unserer Sicht ein völlig undenkbarer Vorgang, aus polynesischer Sicht ein fast schon zwangsläufig normaler Vorgang, denn Homophonie in der Sprache wird eben als Mehrdeutigkeit in den Rongorongo-Zeichen umgesetzt.
Ich habe bereits festgestellt, dass die Notationen der Maori Rongorongo wahrscheinlich von zwei Himmeln ausgingen. Dann kann es eigentlich keinen Konflikt geben, wenn man zwei fliegende Enten als Sternbilder kannte.
 
Aber so einfach ist es dann auch wieder nicht. Ein Zeichen muss eindeutig bestimmbar sein. Das wussten auch die alten Meister und mit einer kreativen Energie schufen sie ein Meisterwerk, das den allerhöchsten Ansprüchen einer genialen Lösung gerecht wird.
 
Im 6. Teil meiner Arbeiten finden Sie eine nicht vollständige Auflistung von Zeichen mit „Mondzacken“ über die ich ausführlich referierte. Das muss an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Ich konnte das Problem der zwei Enten erst lösen, als ich diese minimalen Hinweise über die Mondzacken erkannt hatte.
 
(Ich selbst, der penetrante Prediger, der ultimativ fordert auf Details zu achten an den Zeichen, seien sie noch so klein -  ich selbst mache den Fehler, auf den ich stets hinweise ihn ja nicht zu machen!
Ein fürchterlicher Gedanke!

Hätte ich wirklich genau hingesehen – was ich doch immer verlange - wäre es schneller gegangen zu erkennen, was ich nun beschreiben kann).
Meine Zeichnungen sind stets wesentlich größer als die klitzekleinen Einkerbungen auf den Originalen. Aber nur so kann ich dem Leser demonstrieren, was zu sagen (zeigen) ist. Mit der Entdeckung der Mondzacken konnten weitere Zeichen verstanden werden.
 
Über zwei Mondzacken kann aus einem Solo-Zeichen ein zweites Solo-Zeichen entstehen, das grafisch so intelligent konzipiert ist, dass es den Nobelpreis bekommen müsste, wenn es ihn für Grafik gäbe. Die Ente im Norden (Gr 3) und die Ente im Süden (Er 5) differenzieren sich deutlich, wenn man nur hinsieht und man das „meaning of design“ versteht.
 
 
Ich habe nichts anderes gemacht, als die Vorgabe der Maori Rongorongo befolgt und das nicht Sichtbare sichtbar gemacht. Es sind die beiden Mondsicheln des Mondes, wie er sich am Anfang und Ende einer Lunation dem Beobachter zeigt, der von der nördlichen Hemisphäre aus den Erdtrabanten beobachtet. So sagt das Zeichen: „Ich bin die Ente über der Nordhalbkugel.“ Damit musste die  fliegende Ente im Süden nicht näher über grafische Details gekennzeichnet werden. Es ist unerheblich, ob der Delfin und das Kreuz des Südens kurzfristig gemeinsam am Himmel in der Nacht von irgendwo auf der Welt zu beobachten sind. Was kümmert mich Crux, wenn ich im Pazifik nach Norden navigieren muss und der Delfin kann mir den „Buckel runterrutschen“, wenn ich auf Südkurs das Boot ausrichten muss?
(Rongorongo ist kein astronomisches Lehrbuch und kein Märchenbuch für Kinder und Erwachsene – obwohl von allem und für jeden etwas vorhanden ist!)
 
Für mich ist das ein weiterer deutlicher Hinweis auf die Vorstellung von zwei Himmeln, die möglicherweise sogar manchmal spiegelbildlich zu verstehen sind. Dann macht es auch Sinn, für viele Zeichen mehr als eine Bedeutung zuzulassen und dann ist die Zeichenverbindung, von der ich jahrelang behauptete, dass es sie so nicht geben kann, selbstverständlich richtig und allemal möglich.

Die Kopfform unterscheidet die beiden Enten-Zeichen, der Körper ist identisch. Wenn man aber verstanden hat, dass es zwischen den Sternbildern Crux und Delfin niemals eine Verwechslung geben kann, hat man einen wichtigen Teil der Konzep-tion der Maori Rongorongo verstanden. Jeder Entzifferer wird erkennen, dass dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Einzelfall ist!
 
Von Hawai’i aus beobachtet zeigt die untere Zeichnung die Position von Ursa Major und den Delfin. Der Unterschied ist wirklich minimal, weil Hawai’i auf ca. 20° Nord liegt und deshalb der Horizont tiefer ist oder die Sternbilder höher am Himmel stehen als für den Beobachter auf dem Äquator.

Um es erneut zu sagen: Ich kann nicht angeben, ob die hier vorgetragenen astronomischen Befunde den Notationen in Richtung und Zeitpunkt der Beobachtung entsprechen. Mir kommt es einzig und allein darauf an zu überprüfen, ob meine Deutungen realistisch sind oder nicht. Dabei gehe ich immer davon aus, dass die halbe Wahrheit nicht die Hälfte der Wahrheit ist!
 
Jedes Zeichen - und natürlich auch jede Kombination - sind erst dann erklärt, wenn sie vollständig in allen einzelnen Teilen und  Vorkommen verstanden werden.
 
Die Solo-Zeichen sind die schwächsten Glieder in der Informationskette. Sie sagen in diesen Beispielen doch nur aus, dass es das Kreuz des Südens gibt und den Delfin als Sternformation, die wir ein Sternbild nennen. Das trifft natürlich auf alle Solo-Zeichen zu. Könnten wir nur diese verstehen, bliebe Rongorongo ein unentzifferbares Rätsel.
 
Aus meinem Verständnis bedeuten die Mondzacken nicht unbedingt die Kompassrichtung „Norden“, sondern sie bezeichnen die gesamte nördliche Halbkugel. Das Problem besteht nun darin, dass es alle Himmelsrichtungen natürlich auf beiden Hälften der Erde gibt. So ist die im Norden fliegende Ente als Sternbild des Delfins nur zu beobachten Richtung Süden.

 
Der Delfin erscheint im Juni im Süden der nördlichen Hemisphäre und ist dann von Hawai’i aus mit einem Teil von Crux zeitgleich am Himmel. Von einer Überschneidung oder längeren gemeinsamen Sichtbarkeit von Crux und Delfin kann keine Rede sein. Damit ist eine Verwechslung so gut wie ausgeschlossen. Der Delfin läuft hoch im Zenit über Hawai’i von Osten nach Westen, wie alle Sterne und alle anderen „heavenly bodies“ nur so und niemals anders laufen können für den Beobachter auf unserem Planeten.
Das Zeichen mit Namen Te Toloa, wie man das Sternbild des Delfins auf den Marquesas nannte, kommt in vielen Variationen vor. Einige dieser Kombinationen werde ich nun besprechen.
 
Die Hand-Zeichen für Süden und Norden habe ich bereits in der Folge 6 besprochen.
Man findet sie an sehr vielen Zeichen angebunden oder direkt in ein Zeichen „hineingearbeitet“, wie das Z. B. bei der Nord-Ente der Fall ist:
Kunsthistoriker präferieren Porträtmalerei als die höchste Form der bildenden Kunst. Maler sahen und sehen das schon immer anders. Für uns sind es die größten Meister, die Hände malen und zeichnen konnten. Die Mimik des Gesichtes ist begrenzt, die Beweglichkeit der Hände scheint grenzenlos zu sein. Hände können mit der Körpersprache ausdrücken, was mit der Mimik der Gesichtsmuskulatur nicht möglich ist.
In Rongorongo finden wir die beiden Handzeichen in aufrechter und in abwärts gerichteter Position. Dass darin eine Information liegt, die in 150 Jahren Rongorongo-Forschung noch nicht einmal „gesehen“ wurde, ist fast unglaubwürdig. 

Noch deutlicher kann man das eigentlich nicht zeigen, was passiert, wenn man die Handzeichen umdreht. Was soll daran falsch sein? Die simple Polarität oben vs. unten ist in der vermeintlichen Osterinselschrift doch reichhaltig nachweisbar, was bereits ausführlich beschrieben wurde. Ein Beispiel zur Erinnerung:
Beide Zeichenformen kommen vor und es ist nicht möglich festzulegen, was „oben“ sein soll und was „unten“ sein könnte. Da aber das Denken zur Nomenklatur immer und ausnahmslos eine „Schublade“ zur Ablage verlangt, ging Barthel 1958 davon aus bei solchen Befunden die Behauptung aufzustellen:
 
 
Barthel 1958 : 41)
 
X   Zeichen gegenüber Normalposition auf den Kopf gestellt.
 
Allein diese Feststellung zeigt auf, dass Barthel das System der graphics nicht verstanden hatte, denn es gibt keine „Normalposition“. Nehmen wir als Beispiel die Behauptung, dass der Orion hier bei uns aufrecht steht und wir das als Normal-position verstehen. Es ist aber die Normalposition des Orion von der Südhalbkugel der Erde beobachtet „auf den Kopf gestellt“.
In der bisherigen Rongorongo-Forschung wird alles aus europäischer Sicht gesehen, beschrieben, erklärt und sogar gezeigt. Die beiden Zeichen Nr. 27 stehen nebenein-ander auf den Formentafeln, wie wir es ganz logisch finden.
 
Aus meiner Erkenntnis ist bereits diese Zusammenstellung unzutreffend. Richtig wäre diese:
Als ich noch nicht die Bedeutung der Zeichen kannte, hatte ich bereits eine Aufstellung für mich gemacht, die diese formenkundliche Ordnung zeigte. Das war sehr hilfreich, weil sich damit aus 8 Formentafeln (geordnet nach „Kraut und Rüben“) nur 2 DIN A-3 Blätter zusammenstellen ließen.
 
Weil Sternbilder und andere Sternformationen nun einmal unterschiedliche Stellungen einnehmen, war es eigentlich nur eine richtige Schlussfolgerung von zwei Himmeln auszugehen. Für uns ist das eine Vorstellung aus der Zeit, als unsere Ahnen Mammuts jagten. Elsdon Best nannte noch Anfang des 20. Jahrhunderts die Maori Neuseelands „stone age people“.
 
(Wenn man unter Entzifferung „Belehrung“ versteht, dann ist die europäische Methode der Besserwisserei unschlagbar.)
 
Eine von mir entdeckte Besonderheit in Rongorongo geht davon aus, dass man den Südhimmel und den Nordhimmel mit den Zeichen differenzieren konnte. Die Himmelsrichtungen sind immer gleich, aber der Standort des Beobachters variiert ständig in Rongorongo. Norden kann oben oder unten sein - was, bitteschön, ist denn nun die Normalposition?
Um nun zweifelsfrei festzustellen, um welche Hand es sich handelt, habe ich das Zeichen lediglich auf den Kopf gestellt:
Das hier ist nur ein Experiment, es gibt in Rongorongo viele um 180° gedrehte Zeichen, dieses gehört nicht dazu. Nun wird deutlich, dass es sich um die Hand handelt, die für Süden steht.
Wie so oft, gibt es in Rongorongo auch das „Gegenstück“. Auf der Tafel mit dem Namen Aruku Kurenga finden wir diese Zeichenverbindung mit umgedrehter Körper- und Handhaltung:
Nach der gleichen Methode können wir feststellen, welche Himmelsrichtung diese nach unten gerichtete Hand angibt:
Je nach Standort befindet sich Norden oben oder unten.
 
Zeichen und Zeichenverbindungen, die über die „kai-Hand“ als Navigationssterne ausgewiesen sind, werden künftig das besondere Interesse der Fachleute auf sich ziehen, die mit meinen Forschungen arbeiten. Auch der Delfin zählt zu diesen „Königszeichen“, die in der von mir aufgestellten Hierarchie ganz oben stehen.
Auf dem Santiagostab finden sich diese Zeichenverbindungen:

 

 
Die Universität Tübingen verwahrt eine Replik des Santiagostabes, die anlässlich der Osterinsel-Ausstellung 1988 in Frankfurt/M. als Geschenk übergeben wurde. Für eine Forschungsarbeit über den Stab ist die Replik ungeeignet, denn 3 Zeilen sind nicht lesbar. Die 2. und die 6. Zeile nach der Nomenklatur von Barthel sind gut erhalten und die oben abgebildeten Zeichenverbindungen wurden von mir original abgenommen.
 
Te Toloa  auf I 2 befindet sich über dem Himmel der nördlichen Halbkugel, was sich aus der Körperhaltung schließen lässt. Die kai-Hand weist die Zeichenverbindung als Navigationsstern aus und das untere Zeichen ist noch immer nicht gänzlich von mir verstanden. Es ist zunächst der Hinweis auf eines der Zeichen für die Venus, was aber eher in dieser Zeichenverbindung zweifelhaft sein könnte. Zwar ist der Delfin nicht weit entfernt von der Ekliptik – der Mond und die Planeten bewegen sich immer in Nähe der scheinbaren Bahn der Sonne am Nachthimmel – aber grundsätzlich sind es Sterne und Sternkonstellationen, die von den Navigatoren in der Südsee genutzt wurden. So kann sich in dem „laufenden Bein“ durchaus eine weitere Information verbergen, die Astronomen und Navigatoren herausfinden werden. Das ist keine Fragestellung an die Kunst!
Auch die Polarität links vs. rechts habe ich bereits mehrfach angesprochen und beschrieben. Es war nie ein Zufall und es gab keinen Grund, willkürlich ein Zeichen und eine Zeichenverbindung nach Lust und Laune zu kerben.
Meine Erklärungen der Zeichen sind begründet und machen Sinn, der sich am Himmel in der Nacht über dem Stillen Ozean den Navigatoren der Boote zeigte auf
ihren zielorientierten Fahrten zwischen den Inseln. Sie kannten die Sterne, die sie an das Ziel brachten, dass sie erreichen wollten, und sie kannten diese Sterne, die sie wieder nach Hause geleiteten.
Aber es waren doch überhaupt keine Sterne. Die vergöttlichten Ahnen erschienen nach ihrem Tod als hell leuchtende „Sonnen in der Nacht“, die wir mit Sternen in Verbindung bringen. So fuhren sie doch nur auf den Wegen ihrer Ahnen durch das weite Meer, die sie sicher und punktgenau ans Ziel brachten.
Sie nutzen den einzigen unfehlbaren und in seiner Größe unübertroffenen Kompass zur Navigation: den Himmel über ihren Booten!
 
In Rongorongo haben sie aufgeschrieben, was
nicht für uns
gedacht ist, wie sie es machten, um für den Tag der Renaissance ihrer Kultur gewappnet zu sein. Kunst und Kultur lässt sich niemals von „oben herab“ verstehen, aber, um auf Augenhöhe zu kommunizieren, muss man erst durch die Wüste laufen. Das ist meine Erfahrung.
 
(Heute fahren wieder Boote im Pazifik durch die Nacht. Die Navigatoren haben ihr Wissen nicht erlernt von den Alten, sie wurden und werden geschult im Planetarium von Honolulu. Neue Denkanstöße in der Forschung müssten angeschoben werden, aber leider hat es sich dahingehend entwickelt, dass alles Neue zunächst ausgebremst wird. Trotzdem - nicht einmal die Inquisition konnte aufhalten, was die Welt verändert hat. Dummheit und Ignoranz stinken leider länger als ein Furz.)
 

 
Bei allen 4 Belegstellen handelt sich um Zeichenverbindungen. Diese sind aber nur dann erklärbar, wenn alle daran beteiligten Zeichen bereits entziffert wurden.
Es ist hier nicht möglich, die mehr als 100 Belegstellen zu besprechen. Das ist eine Aufgabe für künftige Forscher, denn mein Bestreben ist noch immer, möglichst viele Zeichen zu erklären und nicht in die Detailarbeit zu gehen.
 
(Hinweisen möchte ich auf die Forschungen von Prof. Rajbchikov, die er im Internet veröffentlicht hat, der eine eigene Nomenklatur erstellte, die nichts mit der von Barthel vorgelegten Ordnung des Systems zu tun hat. Der russische Gelehrte kommt mit 173 Zeichen aus, die er allesamt mit Worten, Begriffen etc unterlegt. So gibt er an, dass das Zeichen Nr. 19 nach seiner Listung zu übersetzen ist mit „ku(a), ki(a)“. Dabei handelt es sich um den Befund auf der Belegstelle Pr 2, die ich hier angeführt habe).
 
 
Meine Feststellung, dass die Zeichenverbindungen sophisticated sind und nur von Fachleuten zerlegt werden können, die das Design des Systems beherrschen, wird oft als überzogen beurteilt. Auf dem Santiagostab, Belegstelle I 10, findet man eine Zeichenverbindung, die ganz einfach aussieht, die es aber in sich hat!

 
Abgebildet ist das Zeichen, wie es auf der Tübinger Replik in der 10 Zeile erkennbar ist. Im Original ist es exakt 10 Millimeter groß, in der Abschrift bei Barthel 8 und in der Abschrift bei Fischer 5 Millimeter.
Sowohl Spranz, der die Abschriften für Barthel zeichnete, als auch der Amerikaner Steven Fischer kopierten, was ihnen unbekannt war. Sie wussten nichts über die Bedeutung der Zeichen, niemand konnte ihnen sagen, worauf zu achten ist.
Ohne meine Kenntnisse als Restaurator wäre ich bei diesen Vorlagen manchmal überfordert gewesen, die von Amateuren erstellt wurden mit geradezu naiver Hilflosigkeit grafischen Befunden gegenüber. Sie waren keine Grafiker - ein Student der Ethnologie und ein promovierter Linguist verstanden den Tanz der Figuren aber nicht. Wie alle anderen vor ihnen auch.
 
Damit der Leser erkennen kann, welche Zeichen im Zusammenspiel die Verbindung ergeben, habe ich sie deutlich größer gezeichnet:

 
Aus dem Kopfzeichen, dass man bei Barthel findet unter Nr.79 auf seiner Formentafel 1, ergibt sich bereits eine Mondsichel. Der Meister musste nur noch die zweite Mondsichel einarbeiten, damit die Information „Norden“ komplett ist.
 
Als ich erst nach vielen Jahren verstand, das damit eine konzeptionelle Grundlage von Rongorongo verbunden ist, wusste ich zunächst nicht, wie damit umzugehen ist.
Der Trick ist simpel, denn es genügt „zeichnerische Andeutungen“ zu einem neuen Ganzen zu verbinden.
Damals schrillten die Alarmglocken bei mir noch nicht, wenn wieder einmal etwas entdeckt wurde, was dieser Konzeption entsprach.
 
In der Annahme, dass Rongorongo die Osterinselschrift ist, suchte man von Anfang an Zeichen, deren Vorbilder mit der alten Kultur auf Rapanui in Verbindung gebracht werden konnten, um so von der Erfindung des Systems auf der Osterinsel auszugehen. Man suchte solche Belege in der „Hardware“ und der „Software“. Aber das ist nachweislich nie gelungen und deshalb gilt für die meisten Ethnologen noch immer die Aussage von mehreren Osterinsulanern, die Rongorongo als Importgut von Hoto Matu’a deklarieren. Damit wäre eine extrainsuläre Herkunft nicht auszuschließen. Die radikalen Verfechter der Osterinselschrift als eine einmalige Erfindung in Ozeanien setzen stets den „Fundort“ mit dem „Tatort“ gleich. Sie verspotten vehement jeden anderen Gedanken. Solange dieser Konflikt nicht beigelegt wird, kann es eine  objektive Rongorongo-Forschung eigentlich nicht geben, denn zumindest die einheitliche Stoßrichtung müsste doch gewahrt sein. Aber so ist die einseitig ausgerichtete Forschung auf der Suche nach Texten die scheinbar unüberwindbare Hürde zur gemeinsamen Arbeit und zum seit 150 Jahren währenden Gegeneinander. Das damit verbundene „baby killing“ neuer Ansätze und Vorschläge sichert nur den Stillstand, weil die eingesetzten Energien sich gegenseitig neutralisieren.
 
Auf der Suche nach der Herkunft von Rongorongo hatten natürlich einige angebliche Zeichen des „Vogelmannes“ ein großes Gewicht, denn der Vogelmann-Kult ist endemisch auf Rapanui und wurde sonst  nirgends in Polynesien nachgewiesen.
Gäbe es nur dieses Zeichen eines Menschen mit Vogelkopf, bliebe immer noch offen, was es bedeutet, denn die Konzeption
 
Nichts ist je es selbst
 
macht keine Ausnahme. Schon deshalb ist die Vermutung „Vogelmann“ unhaltbar.
 
Es gibt keinen Vogelmann in Rongorongo, wenn man die ca. 20 Belegstellen untersucht, kann man zu keinem anderen Ergebnis kommen. Eine solche Unter-suchung gab es nach meiner Kenntnis bisher nicht. Es war Thomas Barthel, der den Vogelmann in Rongorongo hineingeschrieben hat und da ist er nun seit 1958 zur großen Freude der Rapanuisten, die schon immer wussten, dass Rongorongo die Osterinselschrift ist – und nichts anderes wissen wollen! 

 
Wenn unter ca. 15.000 Zeichen nicht einmal 20 Belegstellen für den zentralen religiösen Kult des Vogelmannes zu finden sind, kann Rongorongo zu Aussagen über diesen Kult nicht glaubwürdig in den Zeugenstand gerufen werden.
War der Vogelmann (sehr wahrscheinlich) eine wirkliche realistische Person, ist es mit einem anderen (angeblichen) Zeichen eines Menschen in Rongorongo eher fragwürdig.
Tiki war der erste Mensch, wie es die Maori Neuseelands tradierten. Tiki ist weit verbreitet in Polynesien, aber in sehr unterschiedlichen Überlieferungen - mal männlich, mal weiblich – so what!
Hier ist nicht das Forum über Tiki als großen  polynesischen Kultur-Heros zu schreiben. Hier stellt sich die Frage, ob er in Rongorongo verzeichnet ist und wenn das der Fall sein sollte, wie könnte ein solches Zeichen aussehen?
 
Wiederum war es der deutsche Gelehrte, der glaubte ein solches Zeichen entdeckt zu haben, das er mit dem ersten Menschen Tiki in Verbindung brachte.
 
Ich durfte die miserable Replik des Santiagostabes von der Universität Tübingen ausleihen und mit meinen Kenntnissen als Restaurator sehr mühsam wenigstens die Zeichen auf den unbeschädigten Zeilen abnehmen, die in einem einwandfreien Zustand waren.
Auf der 11. Zeile des Stabes (Nomenklatur Barthel) findet man dieses Zeichen in 3 Vorkommen:
Barthel erkannte in dieser Figur den von der Osterinsel aus vormissionarischer Zeit nicht tradierten Tiki. Über seine Deutung war nun nach dem Vogelmann auch der erste Mensch Tiki in der Osterinselschrift angeblich verzeichnet.
 
Barthel 1958 : 249
„Formenkundlich darf die Zeichengruppe 510 – 519 als eine Reihe von Schädel-Derivaten verstanden werden“.  Und weiter: „Der durch Zeichen 513 a vertretene Grundtypus läßt sich danach als Abbild eines menschlichen Schädels verstehen“. 
 
Dieser Erklärung und Bestimmung des Zeichens als Schädel und seiner Deutung als Tiki-makemake schlossen sich die Entzifferer der Neuzeit an – und ich wieder einmal nicht!
In zahlreichen Felsbildern, verstreut über die ganze Insel, finden sich seltsame Gesichter. Zuerst entdeckte ein deutscher Offizier, K’leu Geiseler, Kommandant des Kanonenbootes Hyäne, anlässlich seines Beutezuges auf Rapanui mehrere solcher Gesichter als regelrechte Skulpturen an verschiedenen Orten. Geiseler war nur 5 Tage im September 1882 auf der Osterinsel brachte aber immerhin 87 Artefakte als Beute nach Berlin.

 
Die Köpfe, die der deutsche Marineoffizier sah, sind längst verschwunden aber Geiseler befahl zum Glück, Zeichnungen anzufertigen.
Die Eingeborenen nannten diese Köpfe „makemake“ und Geiseler verstand darunter die Hauptgottheit der Osterinsulaner. Spätere Expeditionen fanden weitere Petroglyphen und erst in unserer Zeit hat die amerikanische Archäologin, Georgia Lee, ein Standardwerk erarbeitet über die Felsbilder auf der Osterinsel.
 
 
 
Abgebildet (oben) habe ich makemake-Darstellungen, wie sie Thor Heyerdahl angeführt hat. Einige der Abzeichnungen von Georgia Lee (unten), die sie mit der Hauptgottheit der Osterinsulaner in Verbindung bringt, sehen so aus:

 
Nur wenige  Bilder sind noch heute zu sehen, denn leider sind die alten Originale mit der Zeit verwittert, lange bevor restauratorische Maßnahmen eingesetzt werden konnten. Die alten Petroglyphen sind deshalb nur noch als Zeichnungen vorhanden.

 
Barthel erkannte in dem linken Bild eine vollständige Übereinstimmung mit der Zeichengruppe in Rongorongo, die er als „Tiki-makemake“ identifizierte.
Es ist eine grundlegende Erkenntnis der Psychologie, dass wir erst mal glauben, was wir sehen. Das genügt uns dann und alle anderen Sichtweisen, die es gänzlich anders sehen, entgehen unserer Wahrnehmung. Das Neue übersteigt immer die Vorstellungskraft. So ist es doch nur ein folgerichtiger Vorgang, das neue und gänzlich andere Ergebnisse über die vermeintliche Osterinselschrift auf vehemente Ablehnung stoßen, natürlich insbesondere in der  verschworenen Society der „Rapanuisten“, die das Enigma und den Mythos einer  unentzifferbaren Osterinselschrift verteidigen und sich sachlichen Argumenten verschließen. Rongorongo soll bleiben, was es von Anfang an war: eine Mission Impossible
(Nichts ist älter als die Tageszeitung von gestern und nichts ist uninteressanter als ein gelöstes Geheimnis!)
Jeder Leser - und ich mache da keine einzige Ausnahme - glaubt bei diesem Zeichen, dass es sich hier um ein Solo-Zeichen handelt:
Hat dieses Zeichen als eine vollständige Figur irgendeinen noch so kleinen Hinweis darauf, dass es nicht als „Einheit“ verstanden werden kann?
 
Nein?
 
Das Zeichen ist aus einem Guss und nicht zusammengesetzt - oder?
Erkennt jemand, was mit diesem Zeichen nicht stimmt?
 
Ich habe es jedenfalls 20 Jahre nicht verstanden, mich dabei wohl gefühlt und natürlich geglaubt, was ich sah und damit mein (Vor-)Urteil gefällt.
Vorurteile sind immer so herrlich verständlich und leicht zu begründen und die Wahrheit ist am Anfang oft unglaubwürdig.
 
Weil der angebliche Tiki nur 24 mal unter ca. 15.000 Zeichen auftritt, hätte er nach meinem Dafürhalten allenfalls eine „Statistenrolle“ unter den „tanzenden Männchen“, was seiner Bedeutung in den Überlieferungen aus alter Zeit nicht einmal mit einem einzigen Atom gerecht wird. Aber:
 
Es gibt keinen Tiki in Rongorongo.
 
Was bedeutet das Zeichen  dann, das man bis zu diesem Augenblick als „menschlichen Schädel“ deklariert?
 
Bereits ausführlich beschrieben habe ich die Austauschbarkeit von Köpfen auf den Zeichen. Auch der angebliche Schädel ist in der Reihe dieser Köpfe. So macht der Vogelkopf auf einem menschlichen Körper noch lange keinen Vogelmann aus.
 
Die grundsätzliche Frage ist doch nicht, ob Tiki in Mythen von der Osterinsel tradiert wurde oder nicht. Die Frage ist auch nicht, ob das Zeichen nun Tiki darstellt oder nicht. Die einzige relevante Frage kann nur lauten:
 
Ist das ein Schädel-Zeichen oder nicht?
 
Die Maori Rongorongo waren eventuell die Söhne oder bereits die Enkel der „man eater“ in Polynesien. Dass diese Künstler wussten, wie ein menschlicher Schädel aussieht, kann nicht bezweifelt werden. Es kann auch nicht bezweifelt werden, dass die Meister mit körperlichen Merkmalen in ihren Zeichen gearbeitet haben.
Sehen wir uns nun einige solcher Zeichen an, die mit großem Können eben solche körperlichen Merkmale zeigen:
 
Es könnten noch mehr Beispiele angeführt werden für das Talent derer, die einst Rongorongo erfanden. Deshalb kann es nie und nimmer bezweifelt werden, dass die Maori Rongorongo ein Schädel-Zeichen entwerfen konnten, dass man auch in nur 10 Millimeter in hartes Holz kerben konnte. 
Um einen Schädel als Zeichen zu entwerfen, muss man sich vergegenwärtigen, wie ein menschlicher Schädel aussieht. Der ist skizzenhaft schnell gezeichnet:
Nun kommt ein europäischer Gelehrter und erklärt polynesische Mythenfantasien zu „gesicherten Erkenntnissen“ in einem Schädel-Zeichen, dass unmissverständlich keinen Schädel zeigen soll. Aber er erkennt gerade einen solchen und das gilt bis auf den heutigen Tag, denn Tiki in Rongorongo ist höchst erwünscht für die geheim-nisvollen Texte in Rongorongo, die bisher kein Mensch fand, weil es sie nicht gibt.

 
Nehmen wir an, man hätte ein Schädel-Zeichen gebraucht, dann ist es doch ganz einfach ein solches zu entwerfen, wenn man sich im Corporate Design des Systems auskennt:
Es wurde von mir überhaupt kein neues Zeichen entworfen, das bereits vorhandene mit der erkennbaren Aussage „große Augen“ ist nur ganz geringfügig geändert. Der Knick zwischen den Augenhöhlen wurde in die Schädelwölbung gedrückt.
 
Es gibt ein solches Zeichen nicht unter den ca. 15.000 Zeichen. Das Experiment soll dem Leser helfen, sich in das Design von Rongorongo „einzufühlen“.
 
(Es ist keine Spielerei von mir, ein Zeichen zu entwerfen, das es nicht gibt in Rongorongo. Auf jeder Kunst-Akademie müssen die Eleven zeichnerische Übungen machen, die den Stil eines vorgegebenen Malers treffen. Meine Frau durfte auf der Wiener-Kunst-Akademie studieren und hatte als Übung die Maler Paul Klee und den spanischen Barockmaler Esteban Murillo nachzuempfinden).
 
Die 24 Belegstellen des Tiki sind ein Irrtum über ein Zeichen, das grundlegend missverstanden wurde. Kunst muss die Basisarbeit leisten, bevor Entzifferung beginnen kann. Aber das ist nicht einmal absehbar, weil die Widersacher meiner Forschungen das Sagen haben und eigene Interessen vertreten.
 
Jahrelang war ich davon ausgegangen, dass an den Entzifferungen von Barthel doch irgend etwas zutreffen müsste. Deshalb war ich auch kritiklos genug seine Tiki-Fantasie in Rongorongo zu glauben. Als ich dann auch noch fand, das unter dem Namen
 
Te-Uru-o-Tiki
(Makemson 1941 : 26)
 
auf den Tuamotus das Sternbild Delfin bekannt war, schien Barthel mit seiner Tiki-Deutung sogar bestätigt. Der polynesische Name bedeutet nämlich übersetzt:
 
Kopf von Tiki.
 
Also ging ich daran, diese 24 Belegstellen zu prüfen mit Delfin plus den damit verbundenen Zeichen. Aber das ging nicht auf. Es war nicht möglich, eine astrono-mische Beobachtung mit den Tiki-Zeichen als Sternbild Delfin zu finden in der Zeichen-Verbindung mit anderen Sternen oder Konstellationen.
 
Nun könnte man argumentieren, dass 24 Zeichenvorkommen unter ca. 15.000 Zeichen wahrlich eine Kleinmenge sind, die man nicht unbedingt in den Mittelpunkt seiner Forschungen stellen sollte. Das ist aber gänzlich falsch gedacht, denn das Verständnis der Zeichen beginnt zunächst mit einem einzigen, das vollständig richtig verstanden wurde. Ob das Zeichen dann 600 und mehr Vorkommen aufweist oder nur 24, spielt absolut keine Rolle. Jedes verstandene Zeichen löste in meiner Forschung immer eine kleine Lawine aus, weil das System Rongorongo eine homogene in sich geschlossene Arbeit ist, deren Funktion einer Mechanik gleicht, die z. B. über Zahnräder ineinander greift. Ein Befund stützt den nächsten, sind Teile einer Zeichenverbindung bekannt, ist das eine sichere Spur, auch die weiteren daran beteiligten Zeichen zu identifizieren. Rongorongo-Entzifferung ist kein Glücksspiel. Der Zufall schleicht sich zwar immer wieder ein, ist aber selten produktiv.
Meine Forderung, bei Zeichenbesprechungen alle Vorkommen zu berücksichtigen, gilt auch für die eigene Arbeit und deshalb folgen auch alle Zeichenvorkommen, über die hier referiert wird. 



Auf der Pariser Schnupftabakdose, die erst 1961 aus dem Besitz einer französischen Seemannsfamilie entdeckt wurde, ist das Zeichen der großen Augen auf dem Körper eines Vogelzeichens, das bereits im vorherigen Artikel besprochen wurde.
Es ist der Stern Deneb im Sternbild Cygnus (Schwan).
Das Zeichen der großen Augen auf dem Vogelmann findet sich auch auf der 12. Zeile des Santiagostabes.
 
Nachfolgend die Vorkommen auf den Objekten in der Abschrift bei Barthel 1958:

 
Sterne mit den Augen der Atua, der vergöttlichten Ahnen, in Verbindung zu bringen, ist aus polynesischer Sicht durchaus naheliegend. Die bekanntesten Augen, die Nacht für Nacht das Geschehen auf der Erde überwachen, sind die Sterne der „kleinen Augen“, das sind die Plejaden, die man in Ozeanien “matariki“ nannte, übersetzt kleine Augen. Hier ist das Zeichen dafür in Rongorongo, das auch bereits vorgestellt wurde, aber noch nicht ausführlich besprochen:
In der Literatur fand ich einige bildhafte Beschreibungen für Zeichen, die mit Augen - und auch mit großen Augen - in Verbindung gebracht wurden. Diese Angaben werde ich nun aber weglassen, weil von allen den Texten nur ein einziger das hier untersuchte Zeichen beschreibt und sich mit allen 24 Vorkommen in Übereinstimmung bringen lässt!
Ausgangspunkt meiner Überlegungen war diese Zeichenverbindung :

Die untere „Analyse“ zeigt, dass man alle Zeichen ausnahmslos kennen muss, weil sonst die Informationen in den Kombinationen nicht verstanden werden. Und wieder ist meine Quelle Maud Makemson, ohne deren grundlegende Arbeit „The Morning star Rises“ eine Entzifferung von Rongorongo nicht möglich wäre!
Hier folgt ein weiterer Beweis dieser Behauptung:

Makemson 1941 : 231
 
375. Na-Mata-o-Takero, the Eyes-of-Takero; a Tuamotuan name possible for a close pair of  stars Lambda and Phi Orionis, since Takero is said to be Orion’s Belt.
 
Unter der fortlaufenden Nummerierung 358 bis 383 listet Makemson 25 Sternnamen, die alle mit „mata“, also Augen, beginnen. Sicher lassen sich noch mehr „Augen-Sterne“ in der Literatur finden.
 
Eine Astronomin kann natürlich auch solche Sterne identifizieren, die Missionare, Maler, Ethnologen, Linguisten und andere astronomische Laien wohl kaum hätten bestimmen können. Takero, also die von uns so benannten Gürtelsterne im Orion, sind für mich ein Hinweis, die beiden sehr lichtschwachen Sterne im Orion zu untersuchen auf ihre Identität, die Sterne mit Namen Na mata o Takero zu sein.
 
In der unübersehbaren Literatur für Astronomie-Laien und sogar im Internet(!) findet man im Sternbild Orion nur sehr selten Lambda und Phi Orionis ausgewiesen, also korrekt wissenschaftlich bezeichnet.
 
Die IUA, Internationale Astronomische Union, hatte bereits 1922 verbindliche Sternbildgrenzen eingeführt und auch verbindliche Sternbezeichnungen über das griechische Alphabet. Die beiden hier zu untersuchenden Sterne sind in der Tat sehr lichtschwach, aber eben für den geübten Sternbeobachter durchaus sichtbar. Der mit Lambda bezeichnete Stern ist auch unter dem Namen Heka bekannt.
 
Als die Maori Rongorongo das System der Zeichen erfanden, gab es in keiner Sprache der Welt das Wort „Lichtverschmutzung“. In Europa ist eine Sternbeob-achtung heute nur noch in ausgewiesenen Enklaven möglich. Jeder Mensch kennt die Aufnahmen der Erde von ihrer Nachtseite, die die Astronauten aus der ISS zur Erde geschickt haben. Aus dem „blauen Planet“ der Sonnenseite ist ein „Reklameleucht-Planet“ auf der Nachtseite geworden.
 
Astronomische Beobachtungen zum Zweck der Navigation, zum Kalender, zur besten Pflanzzeit, für astrologische Vorhersagen etc. waren niemals ein schwärmerischer Blick an den Nachthimmel. Das war ein Job, den nur studierte Profis ausüben konnten. Überall in Polynesien und darüber hinaus gab es Schulen für angehende sternkundige Spezialisten.
Welches Wissen davon in Rongorongo konserviert wurde, wissen wir noch nicht. Aber ich kann verbindlich angeben, dass nicht nur Sterne und Planeten verzeichnet sind, nicht nur Guiding stars, nicht ausschließlich Navigation die Information auf den Tafeln ist – es ist Navigation im Pazifik und astronomisches Wissen breitgestreut.
 
Makemson beschreibt die Sterne Na-Mata-o-Takero sehr bildhaft mit:
 

. . . a close pair of stars . . .
 
 
Sehr eng aneinander stehende Sterne können wir oft nur als einen einzigen Lichtpunkt am Himmel in der Nacht erkennen. Die sternkundigen Männer auf den Inseln in der Südsee beobachteten mit „naked eyes“ oder mit „unadded eyes“. Sie hatten keine Teleskope, wie bereits die ersten Besucher aus Europa und Amerika.
 
Dennoch konnten geübte und trainierte, sowie über praktische Erfahrungen geschulte Spezialisten, sehr wohl auch erkennen, dass die Sterne Lambda und Phi Orionis eng beieinander stehen.
Nun muss geprüft werden, ob denn der angebliche Tiki in Rongorongo nur ein Paar lichtschwacher Sterne ist, die man im Sternbild des Orion erkennen kann.

 


So wird das Sternbild Orion in den Grenzen dargestellt und jeder Stern mit einem Buchstaben des griechischen Alphabets gekennzeichnet, sowie einem Namen, soweit vorhanden.
Sehr eng beieinander stehen nun wirklich der Stern mit dem Eigennamen Heka und der Stern mit der Bezeichnung Phi 1. Hier ist die Information für die amerikanische Astronomin leider ungenau, denn auch der Stern Phi 2 steht sehr dicht an Phi 1.
 
Das mögen solche Spezialisten klären, die das notwenige Wissen einbringen. Aus und von der Kunst kann das nicht kommen. Für das Verständnis des Zeichens ist es aber unbedeutend ob nun Phi 1 oder Phi 2 gemeint sind. Das Zeichen gehört in das Sterngebiet des Orion und es sagt unmissverständlich aus, dass die Sterne des Orion auf der nördlichen Halbkugel mit Blickrichtung nach Süden beobachtet werden. In dieser Position befindet sich Beteigeuze unter Heka und den Phi-Sternen. Bei einer Beobachtung von der Südhälfte der Erde stünden die Sterne aus unserer Sicht auf dem Kopf, dann befindet sich Beteigeuze über Heka und Compagnons.


 


Aber damit ist nur die Hälfte der Zeichenverbindung erklärt, denn die von mir so genannte Y-Gabel im Sternbild Aquarius und das Zeichen eines erigierten Penis müssen natürlich auch verstanden werden. Diese Erklärungen lasse ich jetzt aber weg, weil bereits in der nächsten Folge ausführlich darüber berichtet wird.
 


 

 
Die „Augen des Takero“ sind die lichtschwachen Sterne Phi 1 oder 2 um den Stern Heka. In Verbindung mit Beteigeuze entsteht ein logisches Zeichen, dessen homogene Einheit keinen Hinweis darauf liefert, aus vier Zeichen zusammengesetzt zu sein. Das wurde über 150 Jahre nicht so gesehen und deshalb auch nicht entdeckt.
Viele Zeichenverbindungen sind dagegen leicht als zusammengesetzte graphics zu erkennen. Auch das Zeichen der Augen auf dem Santiagostab und dem Vogelmann (New York) ist eine Verbindung aus zwei Zeichen:

 



Ich habe es bereits beschrieben und wiederhole nur, dass dieses Zeichen die navigatorische Angabe enthält, dass Osten vor dem Bug des Bootes stehen soll. Es ist also ein klassisches Deuterium, ein Deutzeichen. Mit irgendwelchen Zeugungs-mythen kann ich das nicht in Übereinstimmung bringen. Es sagt aus, dass die nachfolgenden Sterne oder Sternbilder aufrecht vor dem Bug des Bootes stehen müssen für die korrekte Einhaltung des Kurses.
 
Das darauf folgende Zeichen ist ebenfalls mit der Angabe Osten verbunden:

 


Die Kinderdrachen waren aber nicht nur Spaß und Freude, man verband mit den fliegenden  Drachen immer Grüße an die im Himmel vagabundierenden Ahnen, die sich nachts z.B. als hell leuchtende Sterne zeigen. Drei dieser Federbüschel galten als eine Grußbotschaft den drei Gürtelsternen im Orion.
 
(Die Zeichen der Drachenschwänze sind geradezu key visuals für das Verständnis von Rongorongo und werden noch ausführlich bearbeitet).
 
Damit ist auch das dritte Zeichen ein auf Osten deutendes, verbunden mit den drei Gürtelsternen. 



Im November ist das ganze Sternbild des Orion von Hawai’i aus zu beobachten. Im gleichen Monat erscheint am Osthorizont sichtbar von Hawai’i der sehr helle Stern Sirius. Der astronomische Befund ist korrekt dargestellt, denn für den Beobachter stehen die „Augen-Sterne“ höher, Sirius unterhalb davon.
Von Neuseeland aus auf 40° südlicher Breite ist der Orion aber auch zu sehen. Hier kehrt sich das Bild um, wie allgemein bekannt. Nun steht Sirius oberhalb der Augen-Sterne - und das ist ein Musterbeispiel für eine oberflächliche Beobachtung, die nur zur halben Wahrheit reicht!
Sieht man sich das Bild genauer an, ist doch zweifelsfrei zu erkennen, dass der helle Sirius zwar über den Sternen im Orion steht, aber deutlich entfernt rechts von ihnen.
Wenn man die Position von Sirius und Orion von nördlichen Breiten aus sieht, lässt sich mit beiden „zugedrückten Augen“ gerade noch die Angabe „unterhalb des Orion“ für Sirius vertreten. Von der Südhalbkugel aus ist das nicht mehr vertretbar!

 


 
Aber es gibt die Beobachtung von Neuseeland aus! Das hatte der Meister auf der Kleinen Santiagotafel  für das dafür benötigte Zeichen mit den Möglichkeiten der Kunst fabelhaft gelöst.
 
In Rongorongo finden sich viele symmetrische Zeichen, die sich nicht umdrehen lassen, aber auch nicht gänzlich symmetrische Zeichen lassen sich nicht ohne weiteres so einfach auf den Kopf stellen. Wird das aber gebraucht, kannten die Meister einen uralten Trick, den auch Künstler aus meinem Kulturkreis nutzten.
 
Wenn in einem Bild in irgendeiner Partie dem Maler das Licht nicht stark genug ist, obwohl mit Bleiweiß gemalt, kommt er an die Grenzen. Um den gewünschten Effekt dennoch zu erzielen, muss er das Licht indirekt heller erscheinen lassen, indem er die Schatten verstärkt.
Kann ich ein symmetrisches Zeichen nicht umdrehen, brauche ich ein Vehikel, das sich umdrehen lässt und auch so verstanden wird.

 


Ich gehe davon aus, dass die Blickrichtung der Köpfe nach links und rechts oder unmittelbar von Angesicht zu Angesicht die Position eines Sterns oder einer Sternkonstellation am Nachthimmel aufzeigt in Bezug auf die Position des Beobachters in seinem Boot. Das wäre dann in dem angeführten Beispiel die Information, dass die Augen-Sterne im Orion vor mir stehen müssen, rechts davon müsste Sirius sein, was der Fall ist.
 
(Ob meine Annahme stimmt oder nicht, werden zum Glück nicht Meinungen entscheiden oder Vorstellungen oder Wunschdenken, unbegründete Zustimmung oder Ablehnung – das wird mit dem Blick in die Planetariumskuppel objektiv entschieden, denn Meinungen sind subjektiv, der Projektor des Planetariums ist objektiv).

 


Auf der Tafel „Mamari“ in der 10. Und 11. Zeile findet man drei Zeichen, die es in sich haben. Auch auf dem Santiagostab ist eines davon zu finden.
 


Der Meister der Mamari hatte eine Verbindung von Zeichen geschaffen, die mitten in das Verständnis von Rongorongo führen. Unglaublich kreativ und ein Meisterstück sondergleichen!
 


 
Durch die Verschmelzung zweier Solo-Zeichen, von denen eines bisher noch nicht einmal gefunden wurde, ist ein neues homogenes Zeichen entstanden, das nicht den kleinsten Hinweis liefert, welche Zeichen daran beteiligt sind. In den Abschriften bei Barthel war nicht zu erkennen, dass sogar der äußere Augenbogen zur „kai-Hand“ wurde und die Information liefert, dass diese Zeichenverbindung zur Navigation Hinweise gibt. Erst in der Abschrift der Mamari bei Fischer war das zu erkennen.
Weniger als 1 Millimeter genügt bereits, die Information „Navigation-star“ auszu-drücken. Durch die Öffnung des Polaris-Zeichens ist nicht sogleich erkennbar, dass es tatsächlich zwei Zeichen sind. Den Augenbogen auch als kai-Hand zu nutzen, ist genial! Solche Figuren sind Meisterleistungen, die aus Erfahrung kommen und wohlüberlegt sind. Wir können nur ahnen, wie viele Entwürfe dafür diskutiert wurden, denn das kann niemand auf Anhieb!
 
Meine Deutung bekommt erst dann Glaubwürdigkeit, wenn sie als astronomische Zeichnung den Beweis liefert. Hier ist er:

 


Wenn das Boot von Süden kommend den Äquator erreicht hat, sind ab Oktober die ersten Sterne des Orion im Osten zu sehen. Ab November ist dann das ganze Sternbild am Himmel. Der Polarstern bleibt immer kurz über der Nulllinie, dem Äquator. Im November stehen Polaris und die Augensterne weit auseinander.
Im Januar dagegen sind Polaris und Heka exakt auf einer gedachten senkrechten Linie vom Horizont zum Zenit, der dann in den Gürtelsternen des Orion zu finden ist. Diese lineare Verbindung wird über die Zeichenverbindung zum Ausdruck gebracht. Ab Januar wandert Orion in westlicher Richtung und die Verbindung ist genau so weit voneinander entfernt, wie zum Aufgang im September/Oktober.
 
(Die Erklärung der Rongorongo-Zeichen reicht von „ganz einfach“ wie z.B. Fisch, Mensch, Vogel etc. bis hin zu „sophisticated“. Man braucht auch als erfahrener Profi viele Jahre, um in die Denkweise der alten Meister einzusteigen.Sie waren Künstler - und gewiss nicht nur ein einzelner!
Vox populi meint „Übung macht den Meister“ und das kann man im Hinblick auf Rongorongo auch sagen. Die wichtigste „Übung“ in der Rongorongo-Forschung ist , unentwegt die Zeichen zu zeichnen. Aber dafür muss man natürlich ein Talent mitbringen - und das ist nicht erlernbar. Die größte Herausforderung ist aber, dass alles, was man kann und weiß  nicht das Werkzeug liefert, um Rongorongo zu verstehen. Ich musste noch einmal in meinem Handwerk dazulernen, weil meine Kenntnisse und Erfahrungen für Rongorongo-Forschung einfach nicht ausreichten.
Deshalb kann ich auch verstehen, dass Laien von meinen Ergebnissen manchmal überfordert sind, weil sie europäisches Denken zugrunde legen und keine profunden Kenntnisse über Gestaltung und Design mitbringen).

 


Warum kerbte der wahrscheinlich gleiche Meister auch noch einen Stab oder Stock an das Zeichen der großen Augen, die sich beide auf dem Santiagostab befinden?
 


Warum notierte man diese sensationelle Nachricht, dass Vögel auf der Osterinsel Augen hatten? Wer hätte das gedacht?
Den Tiki-Irrtum von Barthel stellte auch Fischer fest:

 


Meine Feststellung, dass es Thomas Barthel war, der Tiki in Rongorongo hineingeschrieben hatte, sieht Fischer zwar anders, kommt aber zum gleichen Ergebnis.
 
In der nächsten Folge erkläre ich, wie Sirius an die Zeichenverbindung der Lambda und Phi-Orionis-Sterne kommt.
 
Wird fortgesetzt.



Unter diesem link finden Sie das Buch zu meinen Forschungen:

http://www.grin.com/de/e-book/317681/auf-goetterpfaden-ueber-den-pazifik-die-geschichte-der-vermeintlichen/?partner_id=1202373

 

 


 
 

 

 
 

 

 

 
 

 

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