Rongorongo ist entzifferbar. Die Osterinselschrift
aber nicht
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Teil 6
 
Michael H. Dietrich
 
 
Der Mond regelte die Aktivitäten des ganzen Jahres für Fischer und Farmer, für Bootsbauer und alle anderen Handwerker – für jeden einzelnen Menschen auf allen Inseln Ozeaniens, gleich, wie alt oder jung man war. Hina, die Mondgöttin, war der Führer durch das ganze Jahr und durch das ganze Leben. Der Mond war der tägliche Kalender und die Uhrzeit.
 
James Cook notierte, dass die Maori Neuseelands mit Monderscheinungen meteorologische Voraussagen treffen konnten. Elsdon Best erfuhr, dass der liegende Halbmond mit der unsichtbaren Hälfte oben ein Zeichen war für aufkommendes schlechtes Wetter, lag der Halbmond umgekehrt erwartete man gutes Wetter. Auch die Gezeiten von Ebbe und Flut wurden ganz richtig mit dem Mond in Verbindung gebracht. Aussaat und Ernte orientierten sich natürlich auch am Mond. Die Fischer wussten genau, zu welcher Mondphase sie welche Fische fangen konnten. Die Bootsbauer hatten festgelegte Rituale, die ihnen vorschrieben, zu welchen Zeiten Bäume für den Bau der Kanus geschlagen werden durften und wann nicht. Auch hier gab der Mond  das ausschlaggebende Signal. Dass es für die einzelnen Nächte Namen gab, die sich an den Monderscheinungen orientierten, ist hinlänglich bekannt. Ich habe Mondnamen gefunden, die bildhafte Beschreibungen sind. So war es vorherzusagen, dass auch einige dieser Bildbeschreibungen für den Mond als Zeichen in Rongorongo zu finden sein würden und nicht nur die im vorherigen Kapitel beschriebenen Sichelzeichen des Mondes.
 
In allen meinen Veröffentlichungen steht, dass erfolgreiche Rongorongo-Forschung nur über die Identifizierung der bildhaften Zeichen in ihren Namen von Sternen und Planeten, von allen „ra-ririki“  („kleine Sonnen“) betrieben werden kann. Aber es fehlen tausend und noch mehr solcher Namensübersetzungen, weil niemand eine Notwendigkeit erkannte, diese für die Rongorongo-Forschung zu nutzen.
Wie bedeutsam das aber tatsächlich ist, zeigt sich an einigen Namen für den Mond.
Das erste Erscheinen der Mondsichel wurde überall in Polynesien gefeiert, denn Hina hatte sich im „Wasser des Lebens“ wie immer erneuert. Der zunehmende Mond hatte den Namen „marama-i-whanake“ bei den Maori Neuseelands. Es gibt dafür leider keine Übersetzung, aber ich bin fast sicher, dass auch in dieser Bezeichnung des wachsenden Mondes eine bildhafte Vorstellung liegt. Für den abnehmenden Mond gab es 4 Namen, die ebenfalls nicht übersetzt sind. Sie heißen „tohi – roku – roroku und kuha-tohi-marama“.
Übersetzungen aus dem Lexikon sind zu oft und zu dramatisch danebengegangen.
Aus einem Lexikon könnte ich auch Übersetzungen ableiten, aber ich bin gewarnt, um solche Dummheit zu unterlassen.
 
Der Mond zeigt nun auf, wie dünnhäutig die Rongorongo-Forschung seit 150 Jahren wirklich ist und wie laienhaft mit den Zeichen gearbeitet wurde, weil die Theorie einer Osterinselschrift zu schön ist und so geheimnisvoll klingt, dass man sie bisher der Wahrheit vorzog.

Es gibt  ganz wenige astronomische Namen, die zirkumpazifisch gelten, natürlich in unterschiedlicher Schreibweise entsprechend den Dialekten. Einer dieser Namen steht für die Plejaden:
 
matariki
 
das heißt übersetzt  „kleine Augen“.
Unter matariki  war auch die Milchstraße bekannt und sogar einzelne Sterne. In der Regel galten die „kleinen Augen“ dem Sternhaufen der Plejaden, der auf beiden Erdhälften sichtbar ist.
 
In der Rongorongo-Forschung vermisst man einen wirklich kritischen Geist, der nicht jedes von Osterinsulanern vorgetragene Wort als altes Wissen oder als „große Tradition“ (Barthel) einer verlorenen Vergangenheit gleichsetzt mit den Worten aus dem brennenden Dornbusch. Und das ist eine große Hürde für die Rongorongo-Forschung, denn, glaubt man von den alten Überlieferungen alles und jedes, ist man verloren im Dickicht von Spekulationen, Vermutungen und modernen Hypothesen hinter denen sich die kaum noch erkennbare Wahrheit verbirgt.
 
Es gibt einen Namen für den Vollmond, der allgemein gebräuchlich war in Ozeanien:
 
marama-hua
 
Mit diesem Namen beginnt der Abschied von der vermeintlichen Osterinselschritt in so vielen kleinen Schritten, dass es nicht mehr möglich ist, eine europäische Fantasie zur Schrift-Forschung zu erklären, wenn bisher nicht einmal die einfachsten Parameter dieser vermeintlichen Schrift verstanden wurden.

 


Aus solchen naiven Bilderrätseln lernen Kinder sich in der Welt zurechtzufinden. Interessant daran ist, dass das gesuchte Wort nicht in der Reihenfolge unserer Buchstabenschrift zu verstehen ist, denn in unserer Sprache kennen wir keinen BAUM – APFEL. Gäbe es Äpfel an Sträuchern, so gäbe es zum Unterschied eben auch den Begriff oder das Wort für Baumäpfel. 
In manchen Regionen Deutschlands ist der Name Erdapfel geläufig, allerdings versteht man darunter die Kartoffel.
 
Die Auflösung „Apfelbaum“ braucht nicht einmal eine farbige Abbildung, weil die beiden Zeichnungen eindeutig sind. Würde man nun aus den beiden Bestandteilen eine einzige Zeichnung entwickeln, so hätte man ein klassisches Logogramm, ein Zeichen als Wort-/Bildsymbol mit einem eindeutigen Inhalt. Die Sprache ist unbedeutend, denn in allen Sprachen dieser Welt, die den Apfelbaum kennen, werden diese Logogramme verstanden.
 
Untersucht wird der Name des Vollmondes 
 
marama = Mond
hua = Frucht, Kürbis und ein weiterer Begriff, der später von Bedeutung sein wird.
 
Da wir in Polynesien sind, ist das kein Helloween-Kürbis, sondern eine Kalebasse oder Flaschenkürbis. Also setzen wir zusammen, was den neuen Sinn ergibt:

 
Nun ist nichts anderes mehr zu tun, als die Linien zu vereinfachen, um das erste nicht widerlegbare LOGOGRAMM der vermeintlichen Osterinselschrift vor Augen zu haben.



 
Damit es keine, wie auch immer gearteten Verwechslungen geben kann mit einem normalen Kürbis, kerbten die Meister die archaische Form von Licht als kleine nach aussen weisende Linien an das Zeichen. So wird aus der normalen Frucht der strahlend helle Kürbis in Verbindung mit einer Mondsichel zum logografischen Symbol VOLLMOND.

Gibt es etwa einen einzigen Leser, der davon ausgeht, dass ausgerechnet ein Maler nach 150 Jahren Rongorongo-Forschung entdeckt, dass eines der Zeichen für den Vollmond in Rongorongo als klassisches Logogramm zu verstehen ist?
 
Natürlich bin ich nicht der erste Forscher, der dieses Logogramm entdeckt hat.
Es war bereits 1958 von Thomas Barthel beschrieben. Aber er hatte damit ein zunächst unlösbares Problem, denn seine Theorie der „hinlänglichen Lautandeutung“ und seine meterlangen Entzifferungen als zusammenhängende Texte aus den Zeichen stehen in krassem Gegensatz zur Entdeckung von Logogrammen, die alles andere sind als eine Schrift. Hätten Barthel und alle ihm nachfolgenden Rongorongo-Forscher die Existenz von Logogrammen in der vermeintlichen Osterinselschrift zugegeben, wäre ihre so geliebte aber unbeweisbare Theorie einer Schrift von der Osterinsel wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Nichts wäre mehr mit stimmhaften Vokalen einer gesprochenen Sprache, die ohnehin niemand mehr kannte und die als verloren gilt.
Schrift und Logogramme passen nicht zusammen – aber man kann alles zusammenbringen und alles behaupten, so lange niemand den Stecker zieht.
 
Ich werde den gesamten Mondkalender von Barthel nicht besprechen, es genügen einige Zeichen, um diese Arbeit voller Behauptungen als reine Fantasie zu erkennen.
Barthel zerlegt den Mondmonat in 8 Unterabschnitte und zählt dabei genau 30 Zeichen auf der Belegstelle Ca 6 bis Ca 9. Ich zähle 43 Mond-Zeichen auf der gleichen Belegstelle !
 
Im Unterabschnitt III seines vermeintlichen Mondkalenders fand der deutsche Professor nun dieses Zeichen:
 


    Belegstelle  Ca 7

Er selbst hatte das an den Mond angebundene Zeichen ganz richtig als Doppelkürbis erkannt von dem sich mehr als 70 Belegstellen finden lassen.
 
Also machen wir wieder den kleinen grafischen Exkurs, wie aus der realistischen Vorlage das abstrahierte, also zeichnerisch oder grafisch verkürzte Zeichen, entsteht: 
 
Den einfachen und den Doppelkürbis ordnete Barthel unter der lfd. Nummer 74 auf seiner Formentafel 1.
 



Es steht ausser Zweifel, dass die Zeichenverbindung „Kürbis und Mond“ als marama-hua verstanden werden muss. Das Zeichen auf der Mamari steht aber in den Texten von Barthel für die 10 Nacht – zu früh für den Vollmond auf der Tafel Mamari!
 
In einer der verschiedenen Listen der Namen für  Mondnächte entdeckte Barthel den Namen „Ohua“ , in einer anderen den Namen „Hua“ und dann fand er noch heraus, dass die 10. Mondnacht auf anderen Inseln unter dem gleichen Namen Hua die 12. oder 13. Mondnacht war. So war es auch kein weiter Weg, das Zeichen auf der Mamari zu „entziffern“ mit „hua-marama“ und damit diese 10. oder 11. oder 12. Nacht zu bennenen - um alles in der Welt - nur nicht mit
 
VOLLMOND! ! !
 
Es ist eigentlich überflüssig, Barthels Ergebnisse zum Mondkalender auf der Tafel Mamari zu kommentieren. Das haben bereits Jaques Guy,1990, und Paul Horley, 2011, ausführlich vorgelegt. Sie finden die Arbeiten der beiden Wissenschaftler im Internet.
 
Barthel kommentierte das  ganz anders, denn er schrieb:
 
„Der Gesang von den Mondnächten auf der Tafel Mamari bringt einen Teil von dem wieder ans Licht, was Englert bereits als unwiederbringlich verloren beklagt hat“.
 
(Sebastian Englert (1888 – 1969) wirkte als katholischer Priester und forschte als anerkannter Sprachforscher ab 1937 mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tod auf der Osterinsel.
Er wurde schon zu Lebzeiten von den Osterinsulanern verehrt und man nannte ihn respektvoll
„the uncrowned king“.)
 
Sollten Sie nun etwas von diesem Mondkalender-Gesang hier lesen wollen, muss ich passen. Thomas Barthel hat keinen diesbezüglichen Text entziffert und hinterlassen von dem gepriesenen Gesang auf der Mamari!
 
Aber im besten Logografieverständnis konnte er die Zeichen interpretieren
.

Das erste Zeichen des vermuteten Mondkalenders beschrieb der deutsche Wissenschaftler wie folgt:

 "Die erste Ligatur baut sich aus dem Mondzeichen und der undifferenzierten Hand auf, die eine allgemeine Tätigkeit angibt“. (Barthel 1958 : 244)

Das an die Mondsichel angebundene Zeichen soll also eine undifferenzierte Hand sein, deren wichtigstes Merkmal, nämlich die Finger, an dem Zeichen fehlen. Ausserdem übersetzte der Meister diese unter Nr 61 geführte Hand, die vorwiegend nach links zeigt, in allen seinen Texten gänzlich anders und bestens differenziert mit: kai. Das heißt übersetzt essen und ist so häufig vorhanden, dass man annehmen könnte, Rongorongo-Notationen sind Kochbücher mit Rezepten, pardon, Kochtafeln mit eben solchen Angaben. Bei konsequenter Anwendung seiner eigenen Entzifferung des Zeichens, müsste es übersetzt werden mit
 
Mond – essen.
 
Aber weil das zum Beginn eines aufgehenden Mondes nicht so richtig passen will, übersetzte Barthel es gegenteilig mit
 
Mond – machen oder Mond-Werden
 
Die erste sichtbare feine Mondsichel war überall in Polynesien und darüber hinaus, die regenerierte Mondgöttin Hina, die sich im polynesischen Jungbrunnen des „Wassers des Lebens“ Monat für Monat erneuert.
Die Begriffe von Barthel fand ich nirgends in der Literatur.
Wer sollte denn den Mond machen? Hina brauchte keine Hilfe, um am Himmel in der Nacht nach den Dunkelnächten zu erscheinen.
 
Ein Mondkalender braucht einen Vollmond. Das gelingt nicht einmal Rongorongo-Forschern, es wegzuforschen, weil sie kein Vollmond-Zeichen gefunden haben.
Barthel wusste einen Ausweg. Der erste rote Punkt unter dem Zeichen mit der Nummer 143 war die Rettung für seinen Mondkalender, denn er beschrieb das Zeichen:
 
„. . .stellt das Zeichen 143 für die 14. Nacht bildhaft den nahezu gefüllten Mond dar“.
(Barthel 1958 : 245)

 
 
Mondphasen NORD


Diese Grafik zeigt die 8 Mondphasen seiner Sichtbarkeit von der nördlichen Halbkugel aus beobachtet. Es ist die weltweit und in vielen Kulturen verbreitete und bekannte Form der vereinfachten Mondphasendarstellung.
In der umgekehrten Grafik zeigt sich die Beobachtung des Mondes von der südlichen Halbkugel aus gesehen.

Mondphasen SÜD

 
Hina kommt aus dem Dunkelmond und dort verschwindet sie wieder nach ungefähr 29 Tagen, um nach nur 2 Tagen im Wasser des Lebens als neugeborene Mondgöttin am Himmel zu erscheinen.
Ich habe in 40 Jahren Forschung kein Zeichen gefunden in einer vereinfachten Darstellung der Mondphasen, dass den 14.Tag seiner Sichtbarkeit, einen Tag vor Vollmond, zeigte.
 
Betrachten wir nun das Zeichen 143 von Barthel und sehen uns dann die Abzeichnung des gleichen Zeichens bei Fischer an, erkennen wir bereits einen Unterschied:
 

Mir scheint, dass Barthels Mondzeichen in Wirklichkeit einen Telefonhörer(!) darstellt. So wäre erklärbar, dass Rongorongo Geheimnisse per Telefon von den Aliens übermittelt werden konnten. Dann wäre die geheimnisvolle Osterinselschrift als Beginn moderner Kommunikation zu verstehen und der Anspruch des Amerikaners Graham Bell seit 1876 das Telefon zur Marktreife gebracht zu haben, zurückzuweisen. Der Telefonhörer in Rongorongo war schliesslich bereits 1864 dokumentiert, also mindestens 12 Jahre vor Graham Bell. In geheimnisvollem Holz mit geheimnisvollen Zeichen von der geheimnisvollen Osterinsel in geheimnisvollen Texten als unentzifferbares Geheimnis in Holz versiegelt, blieb der Hörer bisher unbemerkt.
 
Nun bin ich aber bestenfalls der dritte Forscher, der über derart unqualifizierte Äusserungen auffällt. Lange vor mir war es ein gewisser Herr Rudolph Amandus Philippi,  seit 1853 Direktor des Naturkunde-Museums in Santiago de Chile, dessen Leitung  er 40 Jahre lang ausübte. Der aus Deutschland emigrierte Wissenschaftler entdeckte auf der Tafel Tahua und dem Santiagostab dieses Zeichen:


 
Er glaubte darin den deutschen Kaiser Wilhelm mit seiner Pickelhaube zu sehen.
 
Als 1997 die Zwerggemeinde einer handvoll Rongorongo-Forscher aufgeschreckt wurde durch den amerikanischen Linguisten Steven Fischer, dass bisher eine Armee von erigierten Penis-Zeichen übersehen wurde, war die Verwunderung groß. Fischer hatte nicht nur diese entdeckt, sondern auch noch gleichzeitig die längst überfällige Entzifferung der Osterinselschrift 1997 vorgelegt. So konnte man es bei ihm nachlesen.
 
Letzteres glaubte ihm so recht niemand, aber die erigierten Penisse in Rongorongo lassen sich ja nachzählen. Das wurde auch umgehend gemacht und dabei festgestellt, dass die gemeldete Armeestärke nicht einmal in Kompaniestärke zu finden ist, eigentlich nur als versprengter Trupp einzelner Peniszeichen, rudelmäßig zu finden auf dem Santiagostab.
 
Das konnte Fischer nicht auf sich sitzen lassen, was ihm Jaques Guy so vorwarf. Seine Antwort hat allen die Sprache verschlagen, denn Fischer argumentierte (mit Meinungen und persönlichen Einschätzungen), weil die erigierten Penisse fast nur auf dem Santiagostab zu finden sind das die danach entstandenen Tafeln solche Anhängsel nicht mehr an den Zeichen brauchten, weil das ohnehin klar war. Nur auf dem Stab brauchten die Meister für ihre Schöpfungsgesänge Zeichen der erigierten Penisse, später nicht mehr, man schöpfte trotzdem schöpfungsmässig weiter – mit und ohne Penis, egal – so argumentierte Fischer!

 
Jaques Guy gefiel die Argumentation nicht und so antwortete er:
 
Wenn Fischer keinen Penis hat, denkt er sich einen!
 
(Gemeint war natürlich, wenn Fischer auf den Tafeln, die nach seiner Meinung massenhaft Schöpfungsgesänge konservieren, keine Peniszeichen fand, sollte man sich einfach welche dazu denken, so, als ob es sie gäbe.)
 
 
Vom Telefonhörer über Kaiser Wilhelm bis hin zu erigierten Penissen kommen wir nun zu einem Highlight der Rongorongo-Forschung und zurück zum nicht vorhandenen Mondkalender auf der gut erhaltenen und wirklich vorhandenen Tafel Mamari.
 
Ein Mondkalender ohne Zeichen für den Vollmond ist wie eine französische Zwiebelsuppe ohne Zwiebeln. Das wusste Altmeister Barthel auch und so lief er auf zur Hochform in der hohen Schule der Zeichenbeschreibung, wie sie sich Amateure vorstellen!
 
Unter den ca. 15.000 Zeichen wurde seit 1864 bis heute nur ein Zeichen - und das auch nur in einem einmaligen Vorkommen - für den Vollmond gefunden und beschrieben. Einen besseren Beweis für die unzutreffenden Entzifferungen kann es gar nicht geben, denn nicht Schöpfungsgesänge, nicht alle die Themen, die Barthel als Notationen glaubte ausgemacht zu haben, bestimmten den Lauf des Lebens in Ozeanien. Das war der Mond, der Mond, der Mond . . .
 
(Barthel 1958 : 11)
. . . im wesentlichen folgende vier Motivgruppen zu unterscheiden:
  1. Tafeltexte religiöser Natur, mit denen Makemake und andere Gottheiten besungen wurden
  2. Rituelle Tafeltexte anläßlich von Kulthandlungen und Festen
  3. Tafeltexte für das Totenzeremonial in der Art von Trauer und Rachegesängen
  4. Tafeltexte zum Fruchtbarkeitszauber)
 
In der 15. Nacht können wir den Vollmond bestaunen, auch dann finden wir ihn am Nachthimmel, wenn er von Wolken bedeckt ist, weil das von ihm reflektierte Sonnenlicht sogar hinter den Wolken zu erkennen ist.


So war es zwangsläufig für Barthel, dass nach der 14. Nacht in seinem Kalender des Mondes der Vollmond zu erscheinen hat! Und das soll er sein:

 

Rongorongo kennt keine Umrahmungen, es sind outline-graphics, die niemals als Schmuckelemente oder als Rahmen zu verstehen sind. Das wusste auch Barthel!
 
Die von ihm benannte Umrahmung ist ein sehr häufiges Zeichen in Rongorongo, dass er selbst als Kanu erkannte und als solches bestimmte.
 
Die Figur im Inneren des Kanuzeichens hatte Barthel entziffert mit dem „Rongorongo-Mann“, von dem nicht überliefert ist, dass er auf dem Mond seinen Singsang anstimmte. Das wusste auch Barthel.
(Träfe das zu, müssten auf dem Mond Rongorongo-Tafeln und Stäbe zu finden sein. Man sollte das der NASA stecken!)
Das Zeichen des angeblichen Rongorongo-Mannes findet man auf seiner Formentafel 4 unter der Nummer 380.
 
Marama-hua ist nur einer der verschiedenen Namen für den Vollmond. Er sagt nichts darüber, wo sich der Mond befindet und zu welcher Zeit im Jahr.
Der Vollmond wächst in 14 Tagen aus der ersten Sichel nach Neumond. Er verliert seine volle Größe nach und nach ab dem 15 Tag. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass auf der Belegstelle Ca 7 der Vollmond auf der südlichen Halbkugel der Erde gemeint ist, weil er aus dieser ersten Erscheinung nach Neumond langsam wächst. Demnach wäre der Beleg auf Hv 11 ein Zeichen für den Vollmond sichtbar von der nördlichen Halbkugel. Astronomen werden sich damit auseinandersetzen.


Es gibt nicht genug Belege, um zu erkennen, ob möglicherweise der einfache Kürbis für den Vollmond der nördlichen und der Doppelkürbis der südlichen Hemisphäre zuzuordnen ist. Bleibt noch zu klären, warum der Doppelkürbis auf Ca 7 an der konvexen und auf Gv 4 an der konkaven Seite angebracht ist. Ich werde es erneut wiederholen und darauf hinweisen, dass nichts in Rongorongo dem Zufall oder der Willkür des einzelnen Meisters überlassen wurde. Jedes Zeichen ist durchdacht und transportiert Informationen.
 
Sonne und Mond gehen immer auf im Osten, egal, wo man sich als Beobachter befindet. Aber wo ist Osten? Auf einer Fahrt von Norden nach Süden befindet sich Osten links von mir, umgekehrt aus südlicher Richtung nach Norden liegt Osten rechts von mir. Möglicherweise ist das eine Erklärung für die unterschiedliche Anbindung der Kürbisse an die Mondsichel.
 
Es gibt aber weitaus mehr Mond-Zeichen - natürlich auch für den Vollmond.

 
Von allen Namen und sonstigen Begriffen im Zusammenhang mit dem Mond, war eine Vorstellung über ihn geradezu „zirkumpazifisch“. So galt unser Trabant als „Kanu“, als ein großes Kanu, dass der hellste und größte „Stern“ am Himmel in der Nacht war, wenn er als Vollmond schien.
 
 Auf meinen vielen Reisen habe ich immer erlebt, dass meine Frage nach einem Ort - z.B. zum Museum - mit „gestikulierenden Handzeichen“ beantwortet wurde, wenn wir uns nicht in der gleichen Sprache oder anders verständigen konnten.
 
Es kann eigentlich nicht verwundern, wenn ein Maler zuerst für sich die so aussagestarken Hände in Rongorongo untersucht. Sie sind keineswegs nur an menschlichen Zeichen zu finden, sie befinden sich auch an vielen anderen und in verschiedenen Handstellungen.
 
Weil von Anfang an Ungewissheit bestand vom Ursprung der vermeintlichen Osterinselschrift, war es naheliegend, in den Zeichen nach Indizien zu eben dieser Herkunft zu suchen.
Erst 1958 behauptete Barthel, Zeichen gefunden zu haben für die Honigpalme und den Brotfruchtbaum, was ihm genügte, die Herkunft von Rongorongo zu lokalisieren. Beide Zeichendeutungen sind falsch, worauf später eingegangen wird.
 
Das Handzeichen, dass bereits Barthel erkannte, ist die vorwiegend zum Kopf oder zum Mund geführte Dreifingerhand, die noch einmal gezeigt wird:




Die Dreifingerhand ist aus dem Kunstschaffen von der Osterinsel nicht bekannt. Sowohl die Moai als auch die hölzernen Skulpturen zeigen fünf Finger.
 
Nun fragt sich der eine und andere Leser, warum ich bei der Besprechung von Mondzeichen auf Hände in Rongorongo eingehe. Aber hier liegt das Urproblem zur Erklärung der Zeichen. Weil bis auf die wenigen Solo-Zeichen immer Zeichenverbindungen und Kombinationen zu beschreiben und zu erklären sind, muss ich natürlich die einzelnen Bestandteile solcher Zeichenverbindungen dem Leser zeigen und die Bedeutung über Quellenangeben belegen.
 
Ich gehe davon aus, das es in Rongorongo keine abstrakten Zeichen gibt, keine Fantasie-Zeichen, sondern das alle Zeichen eine realistische Vorlage hatten, die man in den meisten Fällen deutlich erkennen kann.
 
Zwar kennen wir die Bedeutung des Handzeichens seit Barthel mit „kai“, und das heißt „essen“ als Tätigkeit der Nahrungsaufnahme, aber es unter dieser Bedeutung einzusetzen, wirft nur Fragen auf ohne Antwort!



 


Unter dem Begriff Nā-hōkū’ai-‚āina erfuhr der amerikanische Ethnologe Taylor 1969, dass man darunter auf Hawaii verstand: stars which rule the land. Darunter sind solche Sterne zu verstehen, die für eine gewisse Zeit das  „Land beherrschen, regieren, es in Besitz nehmen“ und weitere Begriffe sind gemeint mit dem englischen Ausdruck to rule.  
 
Damit hätte ich nichts anfangen können, aber bei Johnson/Mahelona (1975 : 81)
fand ich diese Erklärung:
 
Na hoku ai aina -  stars which „ate“, i.e. „ruled the land (in ancient Hawaii, the chiefs who  „ruled“  the land were called . . . chief-eating-land“.
 
 
Nun haben wir eine bildhafte Erklärung, denn die „Land essenden Sterne“ waren nichts anderes als die Navigationssterne, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr direkt über der Insel im Zenit standen.

 
Das ist die Entdeckung der Navigationssterne in Rongorongo, die sich über die „kai-Hand“ zu erkennen geben. Im übertragenen Sinn ist dieses Zeichen zum
 
„Schlüsselzeichen (key visual)“
 
für das Verständnis von Rongorongo geworden, mit dem nun jedes Zeichen als Symbol für „Navigation“ verstanden werden kann, wenn die kai-Hand diese Information vorgibt.
 
Der „essende Penis“ wird sofort verständlich, wenn man weiß, welchen Stern das Peniszeichen meint. Auch hier haben mir die Hawaiianer geholfen, denn unter dem alten Namen Ul von Lamotrek  erfuhr bereits 1897 der deutsche Forscher Christian das es sich dabei um den Stern Aldebaran handelt. Un ist der Name für den gleichen Stern, den 1965 Emory erfuhr von Kapingamarangi. Beide Namen bedeuten übersetzt: Penis. (Johnson/Mahelona 1975 : 119)

 


Es gibt zahlreiche weitere Namen für den Stern Aldebaran in Ozeanien und es gibt selbstverständlich auch weitere Zeichen für ihn in Rongorongo. Der Alpha-Stern in Taurus, wie die korrekte astronomische Bezeichnung lautet, wurde auch von unseren Seefahrern zur Navigation herangezogen, die ihn zur Zeit der Großsegler respektvoll den „Baron“ nannten.
 
Wenn Sie an dieser Stelle eigentlich erwartet hätten, dass ich angebe, auf welcher Formentafel von Barthel das Penis-Zeichen zu finden ist, muss ich Sie enttäuschen. Bisher hat kein Rongorongo-Forscher dieses Zeichen beschrieben oder Belegstellen genannt. Es passte ganz einfach nicht in das Wunschbild über die vermeintliche Osterinselschrift, denn eine ganze Reihe anderer Zeichen wurden als erigierter Penis erkannt, beschrieben und in Entzifferungen eingesetzt.
Diese anderen Zeichen haben so wenig formale Gemeinsamkeiten zu eben jenem Objekt, wie ein U-Boot mit einem Airbus A-380

Oder halten Sie etwa dieses Zeichen auch für einen erigierten Penis, der an die Schwanzfedern des Vogelzeichens angebunden ist? 

 
Im Original ist das Vogel-Zeichen nur etwa 6 mm groß. Sie können es überprüfen bei Fischer 1997 : 451, unten auf der 4. Zeile nach Fischers Nomenklatur.
Damit Sie nicht erst eine Lupe brauchen, zeige ich gerne stark vergrößert das von Steven Fischer als erigierten Penis erkannte Zeichen.
In keinem der wenigen Texte von der Osterinsel, die angeblich in Rongorongo-Notationen zu finden sein sollen, steht auch nur das Wort Navigation oder Stern oder Sternbild oder Milchstraße oder Äquator oder . . . oder . . .
      
(Als ich 1965 das erste mal in Barcelona war, faszinierte mich die unglaublich gestenreiche „Sprache mit Händen“ der spanischen Fans des FC Barcelona. Auf der Rambla de Canaletes steht die Font de Canaletes, ein berühmter Brunnen, bei dem sich nach dem Spiel die Fans des FC treffen. Alleine mit den Händen waren diese besessenen Fußballfanatiker in der Lage, die gesamte Spielzeit von 90 Minuten in 9 Minuten nachzuspielen- Fußballkunst mit Händen erzählt – das war mein nachhaltigster Spanieneindruck, noch vor dem Prado in Madrid.)




 
Das sind die Hände in Rongorongo, für die es keine Erklärung gibt. Auch hier ist es fraglos die Dreifingerhand und es ist eine linke und eine rechte Hand, was über eine Zeichnung bewiesen werden kann:



Diese Hände (und die kai-Hand) geben Antworten, die bisher nicht gefunden wurden. Sie werden an sehr vielen Zeichen angebracht und oft findet man an dem gleichen Zeichen auf einer Tafel oder dem Stab zuerst die eine und dann die andere Hand. Dafür nur ein Beispiel vom Santiagostab, dessen Replik mir die Universität Tübingen für Forschungen geliehen hatte.


Bewunderung klärt nicht die Bedeutung auch nur eines einzigen Zeichens. Bevor ich auf die Quelle stieß, die mir die Bedeutung der Handzeichen in Rongorongo geradezu offenbarte, fand ich die Abbildung einer überaus interessanten Holzplastik. 
 



Die Dreifingerhand  wurde 30 Jahre nach der Entdeckung von Rongorongo erworben. Sie konnte sehr wohl den Meistern der vermeintlichen Osterinselschrift bekannt gewesen sein.
Meine immer wieder geäußerte Annahme, das Rongorongo-Zeichen keine Fantasieprodukte sind, sondern realistische Vorlagen hatten, findet in diesem Objekt von den Marquesas eine weitere Bestätigung.
Zu den Arbeiten, ohne die es Rongorongo-Forschung nicht geben könnte, zählt auch diese:

 
Kjell Åkerblom
ASTRONOMY AND NAVIGATION IN POLYNESSIA AND MIKRONESIA
 
The Ethnographical Museum, Stockholm
Monograph Series – Publication No.14
Stockholm 1968
 
Übrigens habe ich diese Arbeit des schwedischen Astronom Åkerblom fast nie in der  Quellenangabe eines Rongorongo-Forschers gefunden. Auch daran erkennt man, wie einspurig die Forschung bisher verlief. Seit 1938 ist Rongorongo von Heine-Geldern zur Osterinselschrift erklärt worden mit der Wucht einer päpstlichen Bannbulle, die kategorisch ausschließt, etwas anderes auch nur zu denken!
 
Der Forscher Kjell Åkerblom ist für die Erforschung von Rongorongo weitaus wichtiger und seine Forschungsergebnisse produktiver, als jede jemals vorgetragene Fantasie zur vermeintlichen Osterinselschrift von einigen wenigen Osterinsulanern.
 
Åkerblom 1968 :  45



Bislang hatten wir das Wort „toko“ für „Stab, Stütze, Himmelsstütze etc“, das hawaiianische Wort „kukulu“ besagt das gleiche. Demnach ist die
„Stütze (mit) der rechten Hand“ die Bezeichnung für NORDEN, die
„Stütze (mit) der linken Hand“ die Bezeichnung für SÜDEN.
Hier sind die Zeichen:


 
Die Information war bereits 1932 abrufbar bei der amerikanischen Ethnologin Martha Beckwith. Es lohnt sich, die vita der Wissenschaftlerin im internet zu lesen.
Barthel hatte mir immer dann, wenn es gerade in seine Argumentation passte, vorgehalten, dass er Informationen nach 1958 natürlich nicht in seiner Habilitation verarbeiten konnte. Aber die meisten der nach 1958 publizierten Arbeiten beziehen sich oft auf viel frühere Informationen. Ich fand „sachdienliche Hinweise“ in der Literatur, die lange vor der Entdeckung 1864 von Rongorongo auf der Osterinsel publiziert waren. Die „Klagelieder“ von Barthel und anderen Forschern, dass man leider keine Informationen hatte, die das Geheimnis um die vermeintliche Osterinselschrift hätten lösen können, sind ganz einfach falsch und werden auch nicht richtig, nur weil man es verbal penetriert!
Wer sich aber wie Barthel über Metoro und Fischer über Ure Vaiko auf Kronzeugen von der Osterinsel beruft, ist selber Schuld an seiner Unglaubwürdigkeit, weil keiner der beiden Wissenschaftler auch nur den geringsten Zweifel an der Authentizität der Osterinsulaner gelten liess.

 
Kepelino, ein nachweisbar hawaiianischer Eingeweihter als einer der Informanten von Martha Beckwith, ist über jeden Zweifel erhaben ein glaubwürdiger Zeuge.
Weder Kepelino noch die Amerikanerin hatten bei allen ihren sehr intensiven Besprechungen auch nur das Wort einer vermeintlichen Osterinselschrift im Kopf. Alle diese Informanten, ohne Wissen und Kenntnis von oder sogar über Rongorongo, waren für mich stets sehr glaubwürdige Informanten, weil sie ihr Wissen preisgaben, ohne den niemals nachgewiesenen Anspruch zu erheben, ein Schriftgelehrter von der Osterinsel zu sein. Sie waren niemals Partei! Ihnen war überhaupt nicht bewusst, dass sie Angaben machten, die zur Klärung von Zeichen im System Rongorongo führten.
Liest man den Text genau. So drängt sich auf, dass es auch Zeichen für Osten und Westen geben muss. Und das ist keine Hypothese, das ist eine Notwendigkeit für astronomische und navigatorische Notationen. Selbstverständlich gibt es diese Zeichen.
 

Nach meinem Verständnis ist mit der Aussage von Kepelino, dass die Bezeichnungen der Himmels-richtungen für Norden und Süden nicht die alten (und jahrhundertelang tradierten) Namen sind, sondern erst später eingeführt wurden, eine ganz wichtige Angabe zum Alter von Rongorongo gemacht worden.
 
Aber wann ist „später?“
 
Dafür gibt es keine objektiven datierbaren Fakten. Man geht davon aus, dass mit der Ankunft der Europäer und Amerikaner die alten Traditionen mehr oder weniger schnell verschwanden. Der Zeitpunkt variiert natürlich von Insel zu Insel. Dennoch liege ich mit vielen Forschern auf einer Linie, die davon ausgehen, dass spätestens am Ende des 19.Jahrhunderts Schluss war mit alten Traditionen. In manchen Fällen gewiss schon früher, aber später kaum noch.
 
Warum ist das für Rongorongo-Forschung überhaupt bedeutungsvoll? Man geht davon aus, dass die ersten Spuren einer Besiedlung, die Archäologen auf Rapanui fanden, mindestens 900 Jahre alt sind. In den Überlieferungen der Osterinsulaner wird berichtet, dass der Urvater Hoto Matu’a mit 67 Schrifttafeln zur Osterinsel kam. Er selbst und sein Navigator Hinereru galten als „Schriftgelehrte“. Die Ankunft der Siedler unter Hoto Matu’a soll um 1450 gewesen sein. Zu dieser Zeit waren die Himmelsrichtungen für Norden und Süden noch anders bezeichnet.
Rongorongo wurde erfunden, als längst das alte Wissen in Vergessenheit geraten war, aber noch von einigen wenigen den alten Traditionen verhafteten Eingeweihten bewahrt und in ihren Köpfen gespeichert war.

 
Rongorongo ist eine Erfindung, als große Segelschiffe und später Schiffe aus Eisen die Inseln im Pazifik längst entdeckt hatten, ihre Mannschaften das Land „eroberten“ und für die jeweilige „Krone“ ihres Heimat-hafens annektierten und das alles ins Logbuch schrieben, weil sie glaubten, damit einen rechtmäßigen Anspruch auf das Land dokumentiert zu haben.
 
Altes Wissen wenigstens noch für die kommenden Generationen zu retten – das könnte ein moralischer und intellektueller Anspruch gewesen sein, den einige Tohunga in der Südsee aus Respekt und Ehrfurcht ihren Ahnen gegenüber in Rongorongo verwirklichten. Und das alles war „Vorgestern“ – Kepelino hat das doch bestätigt.
 
Osterinsel- und Rongorongo-Forschern ist das natürlich längst bekannt. Aber es passt nicht zum Mythos einer Osterinselschrift. Mythen haben gefälligst alt zu sein, uralt und noch älter.
Deshalb betreibe ich auch keine Rongorongo-Forschung, sondern betreibe mit Nachdruck, einen Mythos endlich zu beenden
.


 


Die linke Hand steht für Süden, der Fischkörper für die Milchstrasse. Und wieder haben wir ein waschechtes Logogramm, dessen wörtliche Namensgebung mir nicht bekannt ist. Dennoch ist das Zeichen kein Rätsel, sondern es ist ganz einfach zu verstehen. Die Milchstrasse befindet sich am Himmel über der südlichen Hemisphäre.
 
Süden und Milchstrasse sind keine Baustelle für Ethnologen, für Linguisten und schon gar nicht für Maler. In diesem Sandkasten haben Astronomen das Sagen.
Kunst kann die versteckten oder offensichtlichen Methaphern in den graphics erkennen und in der Regel auch angeben, welche Bedeutung sie haben. Mehr nicht!
Die Bedeutung der Zeichen läßt sich in fast allen Vorkommen erklären – aber der Sinn dieser Bedeutungen ist eine gänzlich andere Sache. Deshalb ist Rongorongo einmalig, denn wir kennen kein anderes System, das so zu verstehen ist.

 
Mir fehlen die notwenigen astronomischen und navigatorischen Kenntnisse, um angeben zu können, ob sich die Milchstrasse nun nach Süden zu neigt oder ob . .  oder ob nicht . . . oder . . . oder . . .

Ich bin Maler und kein Astronom und Navigator. Mit mir können Sie in ein Bilder-Museum gehen und staunen, was ich über die Gemälde zu sagen habe. Mit mir als Kapitän oder Navigator können Sie keine Seefahrt unternehmen, es sei denn, Sie sind ihres Lebens überdrüssig. So lange noch Menschen das Kommando über ein Schiff haben, müssen sie das Patent A-6 erwerben. Navigieren eines Tages nur noch Computer große Schiffe, muss man fragen, wann er das letzte Update erhalten hat.

In der letzten Folge habe ich erklärt, dass die Figur im Spagatschritt der Stern Matohi ist, den die Maori Neuseelands kannten und den wir auch kennen unter seinem Namen Algol im Sternbild Perseus. Über die Dreifingerhände können alle drei Zeichen verstanden werden. Dennoch bleiben so gut wie alle Fragen offen, denn zu welcher Zeit befindet sich der Stern im Süden oder im Norden? Von welchem Standort aus wird er beobachtet? Welche Richtung ist gemeint, von Süden nach Norden oder umgekehrt? Steht der Stern exakt in Nord/Süd-Richtung? Und noch viele weitere Fragen müssen untersucht und beantwortet werden. Dabei helfen uns aber nicht sprachliche Konstrukte, übergestülpte Entzifferungen, unbewiesene Behauptungen oder sogar Peniszeichen, die wir uns denken sollen. 
 

 
Die Entdeckung der Himmelsrichtungen in Rongorongo ist ein weiterer ganz schwerer Schlag gegen die Textfanatiker. Mehr als 230 Algol-Zeichen sind zu erklären und ihre Position am Himmel, ihr Erscheinungs-zeitraum im Norden und Süden zu bestimmen, ihre Verbindung mit anderen Sternen und noch ganz viele weitere Fragen sind zu stellen und zu beantworten. Es wird nicht mehr genügen, nur zu behaupten, dass Rongorongo eine einzige Kopulationsorgie ist, die Creation Chants notiert und das alles in Form von Texten, weil die Osterinselschrift doch seit Heine-Geldern, Thomas Barthel und Steven Fischer (sowie einer Reihe von Mitläufern) alternativlos zur Schrift erklärt wurde.
(Die nächste totale Entzifferung nicht vorhandener Texte kommt bestimmt.)

 
 
 


Wieder haben wir ein Logogramm und wieder kann ich nicht den Wortlaut angeben. Aber das ist ja auch nicht erforderlich, denn, dass dieses Zeichen als Einheit aus drei Gliedern den Vollmond im Süden, am Südhimmel oder in einer noch anderen Verbindung zum Süden darstellt, ist offensichtlich.
 
Astronomen und Navigatoren werden Antworten finden - vielleicht erst in 150 Jahren, weil der Paradigmenwechsel für Rongorongo-Forschung nicht durchsetzbar ist. Aber es dauerte schliesslich 400 Jahre, bevor man ohne den Scheiterhaufen besteigen zu müssen, die Erde als Scheibe  usw. usw. usw.
(In der Wissenschaft rechnet man mit Lichtgeschwindigkeit, bewegt sich aber im Schneckentempo.
Der Name des kleinen Sternbildes, wie man diese Formation mit Fug und Recht nennen kann, ist
Ti-matatae. Belegt ist das bei Emory, 1965 : 342.    
 
Dieses Zeichen der Y-Gabel ist so wichtig, dass ich es separat besprechen werde.
Aber noch sind längst nicht alle Mondzeichen vorgestellt und erläutert. In der nächsten Folge werden die Zeichen für den Vollmond gezeigt und analysiert.
Eines der häufigsten Zeichen in Rongorongo unseres Trabanten habe ich gemalt.


 
 





 
Titel: Vollmond
Öl auf Leinwand, Format :50 x 70 cm, signiert, datiert 2004.
Der Mond ist auf Silber gemalt und zeigt bereits erste Zeichen einer Oxidation.
Im Besitz des Künstlers. 
 
Wird fortgesetzt.


Unter diesem link finden Sie das Buch zu meinen Forschungen:

http://www.grin.com/de/e-book/317681/auf-goetterpfaden-ueber-den-pazifik-die-geschichte-der-vermeintlichen/?partner_id=1202373
 
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